Verfasst von: 70tageweitweitweg | 26. Juni 2010

Verkorkster Start in “Oz”

Denpasar – Bangkok – Brisbane – Cairns. Gefühlte drei Tage – tatsächliche 1,5 Tage – nachdem wir Bali verlassen mussten, kamen wir dann in Down Under an. Ich hatte mich schon über die angeblich zulässige Anzahl an Zigaretten, die man im Duty Free am Flughafen in Denpasar kaufen durfte, gewundert, aber die nette Balinesin versicherte mir mehrmals, dass die von mir gekauften Zigaretten für eine Einreise nach Australien völlig in Ordnung gehen würden. Traue nie einer lächelnden Indonesierin! Auf dem Weg zur Immigration in Brisbane wurde mir zum ersten Mal bereits komisch zumute, als wir – alle Passagiere des Flugs – uns an einer weißen Bodenlinie aufzustellen hatten, um von einem Drogenhund abgeschnüffelt zu werden. Zumindest bestätigte sich in diesem Moment, dass mir kein Balinese irgendwelche Mushrooms zugesteckt hatte. Nur die Sache mit den Zigaretten stellte sich als knifflig heraus und da mir dann der Arsch auf Grundeis ging als ich auch noch sah, dass wirklich jedes kleine Handgepäckstück von ausnahmslos jedem Fluggast detailliert durchleuchtet wurde, sagte ich am Zoll Bescheid, dass ich eventuell mehr Zigaretten mit mir führe, als erlaubt sei, da mir dies im Duty Free so gesagt wurde. Ende vom Lied war, dass ich entweder die zu viel mitgebrachten Zigaretten hätte versteuern dürfe – was sich auf den schlappen Betrag von 200 $ belief – oder sie abgeben durfte und nur ein Rest-Minimum behalten dürfe. Spontan entschied ich mich dann für das Rest-Minimum. Der zweite Schock ereilte mich kurz darauf: Mein sensationeller, neuer Backpacker war – trotz Flugschutzhülle aus LKW-Plane – massiv zerstört worden. Großartig. Und als wir dann doch mal aus dem Flughafen-Gebäude rauskamen und unseren Mietwagen aufsuchten, regnete es und im Vergleich zu Bali herrschten winterliche Temperaturen. Noch besser. Da es dann doch schon ein wenig spät und wir extrem übermüdet waren, nahmen wir uns das zweitbeste Hostel in Cairns und schalteten den Rest des Abends einfach ab. Wäre einfach gewesen, hätte unser Zimmer nicht direkt in den durchaus beliebten und belebten Innenhof des Hostels gelegen. Den Plan, um halb 5 Uhr morgens Ortszeit aufzustehen um das Spiel Deutschland : Ghana anzusehen, verwarfen wir im Moment des Weckerklingelns. Am nächsten Morgen mussten wir dann leider meine Reisebegleitung, die sich – wie sich letzten Endes herausstellte – Dengue-Fieber durch eine indonesische Mücke zugezogen hatte, ins Krankenhaus nach Cairns verfrachten. Als ich dann gegen 22 Uhr nach dem ersten “Urlaubstag in Australien” gefrustet das Krankenhaus verließ, versuchte ich, auf dem Heimweg noch ein Bier oder einen Wein zu erstehen. Fehlanzeige! Alkohol gibt es in Australien nicht in einem normalen Supermarkt, auch nicht an einer Tankstelle, sondern nur in einem ausgewiesenen Liquor Store. Besagte Stores haben aber um 22 Uhr schon geschlossen. Meine Nachfragen bei diversen Lokalen und Restaurants blieben ebenfalls erfolglos, da diese keinen Alkohol verkaufen dürfen, außer, man konsumiert selbigen im Lokal. Die Kellner, die ich nach einem Bier für “take away” fragte, sahen mich an, als würde ich sie fragen, ob sie Drogen für mich hätten. Oder, als sei ich nackt. Oder beides. Nach 1 Stunde sinnlosem Umherlaufen in Cairns schlug ich wieder im Hostel auf. Und da, direkt hinter dem netten jungen Mann an der Rezeption, stand ein Kühlschrank mit Wein und Bier. Ungefähr fünf Sekunden wähnte ich mich siegessicher, bis mir verkündet wurde, dass Alkohol leider nur bis 22 Uhr verkauft werden dürfe – auch im Backpacker. Shit.

Also gut, dann halt ohne Australien-hier-bin-ich-Gute-Nacht-Bier ab ins Bett.

Leider hatte ich nachmittags den Fehler begangen, zum ersten Mal seit 3 Wochen Kaffee zu trinken. Das Ende vom Lied war, dass ich bis morgens um 3 Uhr wie ein Duracell-Häschen im Bett lag. Aber auch diese Nacht ging vorüber und der nächste Tag – nachdem wir wieder komplett waren – sah schon weitaus vielversprechender aus. So führte uns unser erster, wirklicher Tag in Australien in den Norden, nach Port Douglas. Auf dem Weg dorthin verbrachten wir einige Stunden in einem Wildlife-Resort und guckten uns heimisches Getier an: Kängurus, Koalas, Schlangen, straußenähnliche Vögel, Krokodile, und was halt sonst noch so üblicherweise kreucht und fleucht in Australien.

Die Nacht verbrachten wir in einem Backpacker in Port Douglas und rangen uns dann notwendigerweise die Entscheidung ab, den Trip abzubrechen, da sich der Gesundheitszustand meiner Dengue-geplagten Begleitung definitiv nicht verbessert hatte und es eine extreme Herausforderung gewesen wäre, in den nur mehr 10 verbleibenden Tagen mit dem Auto nach Brisbane zu düsen, um dort am 6.7. den Heimflug anzutreten. Also, wieder zurück ins Krankenhaus, Attest besorgt, Flüge gecheckt und jetzt geht es schweren Herzens leider viel zu früh und ohne das richtige Down Under erlebt haben zu können wieder gen München (über Auckland und San Francisco), sodass ich am 29.06. bereits wieder da sein werde.

Trotz allem ein wirklich unvergesslicher Trip!

(Bali-Bilder werden nachgereicht, wenn die Internet-Verbindung nicht mehr der Geschwindigkeit einer Turtle ähnelt).

(23. – 26. Juni)


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