…bin ich aufm Sonnendeck”
Und am liebsten auf dem des Tauchboots. Denn das ist – nach dem Tauchgang an sich – das Schönste: Auf dem Sonnendeck des Boots liegen, langsam von der strahlenden Sonne getrocknet zu werden und dabei den Tauchgang nochmals Revue passieren zu lassen, während das Boot langsam und gemächlich wieder zurück zur Tauchschule tuckert.
Mittlerweile hat sich bei mir ein tolles “Living on the Island”-Feeling eingestellt und es ist sehr angenehm, dass sich, nach all den vielen Eindrücken die ich in den letzten Wochen gesammelt hatte, die Tage hier auf den Gilis nun so ähneln. Morgens stehe ich meist gegen 8 Uhr auf, watschele zur Terrasse und bestelle mein Frühstück (boiled or scrambled eggs – je nach Lust und Laune (Hauptsache Eier)) und setze mich zu denen, die schon wach sind. In der Zwischenzeit kennen wir alle Gäste, das Personal und die Tauchlehrer, sodass bereits morgens fröhlich gequatscht und getratscht wird. Anschließend wird gecheckt, welcher Tauchplatz am Morgen angesteuert wird und zu 99% bin ich mit dabei. Danach wird das Tauch-Equipment überprüft, das Briefing für den Tauchgang gibt’s dann im Anschluss im Pool. Meistens ist Amil unser Guide, ein permanent fröhlich lachender und singender Indonesier, der seinen Hut und seine Sonnenbrille wirklich immer im letzten Moment, vor dem Sprung ins Meer, ablegt. Das Briefing wiederholt sich täglich, aber es macht Tag für Tag auch wieder Spaß, Amil zuzuhören, wenn es dann losgeht mit “… Okay, for today, maybe we’ll see some, Cuttlefisch, maybe Octopus, maybe Turtle, maybe Sharks”, denn bei Amil hört sich das eher an wie “…maybee we’ll see some Kattelfiiisch, Oktopuuuss, Törrrrteeeel, Schaaaaarks…”.
Und dann geht’s auch schon los, alle springen ins Boot und nach ca. 7 – 10 Minuten Fahrt zwischen und um die Gilis herum, sind wir dann auch schon immer am jeweiligen Tauchplatz. Vor vier Tagen habe ich mein Zertifikat gemacht, um auch in einer Tiefe von 30 Metern tauchen zu dürfen. War überhaupt kein Problem, auch wenn ich zuvor nervös war wie vor einer wichtigen Kundenpräsentation und hektisch im Zimmer auf und ab lief, bevor es los ging.
Die Tauchplätze hier sind allesamt wunderschön. Bei einigen gibt es in ca. 30 Metern das Meiste zu sehen, bei anderen dann in geringerer Tiefe. Die Vielfalt der Fische und Korallen ist wirklich großartig, auch wenn enorme Fischschwärme eher selten zu sehen sind. Dafür durfte ich meine ersten Turtles sehen – riesige Exemplare, die meist träge in den Korallengärten rumhängen. Einige Male durfte ich aber miterleben, wie sich eine Turtle (meist direkt neben mir, weil ich ihnen permanent hinterher jage, sobald ich sie sehe) dann doch dazu aufraffte, mal eben Luft schnappen zu gehen und elegant gen Oberfläche schwamm um dann wieder nach unten abzutauchen. “Premiere” waren ebenfalls die Stingrays, die aber – zum Glück – immer in gebührendem Abstand zu einem schwimmen. Nur von den Haien bin ich leider nicht sonderlich verwöhnt: Lediglich vor drei Tagen hatten wir etwas Glück und sahen einen schwangeren White Tip Reef Shark faul auf dem Meeresgrund vor sich hin dösen. Nachdem wir einige “hailose” Tauchgänge hatten, hatte ich Amil darum gebeten, bei den Haien mal durchzuklingeln, ob sie nicht vielleicht doch Lust hätten, beim nächsten Tauchgang vorbeizukommen – hatte zumindest ein klein wenig geholfen.
Ganz verliebt bin ich auch in die Nemo’s. Clownfische sind einfach unglaublich amüsant – schade, dass man unter Wasser nicht laut lachen kann. Hängt man sich nämlich vor die Anemonen, kommen sie direkt herausgeschossen und gucken einen richtig böse an, schwimmen wieder ein kleines Stückchen in die Anemone rein und schießen dann wieder heraus, mit offenem Mund und einem Blick, der zu sagen scheint: “Hey, Du kleiner blöder Taucher Du, was willst ‘n Du vor meiner Haustüre, hä? Verzieh’ Dich gefälligst, sonst zeig’ ich’s Dir!” Meistens befindet sich auch noch anderes, kleines Getier in den Anemonen, wie zum Beispiel Shrimps oder Krabben.
Nach dem Tauchen gibt es dann immer eine Nachbesprechung, wie lange der Tauchgang war, wie tief, welche Fische man gesehen hat usw. Und im Anschluss muss erst mal Essen her! Sport macht bekanntlich hungrig. Die Nachmittage werden dann je nach Lust und Laune mit Rumliegen am Pool oder am Strand, Rumsitzen und Quatschen oder einem weiteren Tauchgang verbracht.
Am Donnerstag fielen wir mit unserem Programm dann quasi “völlig aus dem Rahmen”, als wir eine Spritztour auf die Nachbarinsel Gili Meno machten. Morgens ging es mit einem kleinen, völlig überladenen Bötchen rüber auf die Insel, nachmittags mit einem tatsächlich noch mehr beladenem Boot zurück. Schwer zu beschreiben, aber die Indonesier packen die Boote hier wirklich so voll mit Einheimischen und Touristen, dass man, solange das Boot noch nicht losgefahren und festgebunden ist, wirklich Angst haben muss, dass es nicht komplett umkippt, da es sich schon bis zum absoluten Maximum hin und her schaukelt. Aber – wie man sieht – ich hab’s überlebt.
Gili Meno ist die ruhigste der drei Inseln und besitzt die angeblich schönsten Strände der Gilis. Nach einer Inselumrundung und ein wenig Abhängen am Strand stellten wir allerdings fest, dass der Strand nun doch nicht so viel anders ist als auf Gili Trawangan – unserer derzeitigen “Heimat” – und es daher nicht wert ist, nochmal umzusiedeln.
Die Abende hier sehen jedes Mal ein klein wenig anders aus: Montag, Mittwoch und Freitag ist immer “Partynight” auf der Insel, immer in einem anderen Pub, bzw. in einer anderen Strandbar. Diesen Mittwoch war die Party im irischen “Tir Na Nog” und es wurde bis morgens um die Bar herum und auf der Straße getanzt, dass die Pferdeäpfel auf dem Weg nur so unter den Flip Flops dampften. Und es war einfach nur heiß, heiß, heiß. Ich persönlich blieb allerdings nicht bis zum bitteren Ende, da morgens ja wieder ein Tauchgang anstand. An “partyfreien” Tagen wird abends auf der Terrasse zusammengesessen und mit den Leuten gequatscht. Selbst, wenn man nur lesend vor dem Bungalow sitzt, kommt man kaum um eine Unterhaltung herum, weil immer jemand “auf einen Ratsch” vorbei kommt. Nicht zuletzt deshalb habe ich bislang nur 1,5 Bücher geschafft. Macht aber nix. Was sich mittlerweile allerdings zur Gewohnheit (wenn man das nach einer Woche schon so sagen darf) entwickelt hat, ist das allabendliche Bintang zusammen mit den anderen auf der Terrasse (der ereignisreiche Tag muss ja besprochen werden), während die Einheimischen auf dem einzigen Volleyballplatz der Insel, direkt daneben, ihre Matches spielen. Bintang ist so ziemlich das einzige Bier, das es hier auf den Gilis gibt. An Weißwein ist erst gar nicht zu denken. Einige Lokalitäten führen zwar einheimischen, balinesischen Weißwein, trinkbar ist dieser aber eigentlich nicht. Das einzige Resultat ist ein dicker Schädel am nächsten Tag. Aber man gewöhnt sich ja an alles und so bin ich mittlerweile zwar nicht “auf den Geschmack” gekommen mit Bintang, aber ich empfinde es mittlerweile als trinkbar.
Am Freitag dann das Highlight des Tages: Das WM-Eröffnungsspiel. Hier wurde das um 22 Uhr Ortszeit in allen großen Pubs (sprich, in drei Stück) übertragen. Wir ergatterten einen fabelhaften Platz auf der Empore und warteten 1,5 Stunden voller Vorfreude auf den Anstoß. Stickige, heiße und qualmige Luft sowie die doch etwas unbequeme Theke, auf der wir saßen, konnten uns nichts anhaben. Und dann, zwei Minuten vor dem Anpfiff: Bild weg. Klasse. Nachdem es auch fünf Minuten später nicht so aussah, als würde es zurückkehren, suchten wir schnell noch ein anderes Pub auf und konnten dann ganz bequem, umgeben von vielen anderen Reisenden und noch mehr Einheimischen das Spiel anschauen, was insofern ganz witzig war, als dass einige der Einheimischen horrende Summen (2 Mio. Rupien – ca. 150 €, wirklich eine Menge Geld für einen Indonesier) auf Mexiko gewettet hatten und nach dem ersten Tor der Afrikaner ordentlich ins Schwitzen gerieten.
Zum Thema Schwitzen: Jeden Tag ist es hier unglaublich heiß und sonnig, man hält es eigentlich nur im Schatten, im Wasser oder eben nach dem Tauchen auf dem Sonnendeck aus. Da es hier auf der Insel nur sehr begrenzt Frischwasser gibt, muss man sich mit Salzwasser zum Duschen begnügen. Nach einer gewissen Zeit, gewöhnt man sich aber auch daran. Langsam aber sicher werde ich auch endlich ein wenig braun, lediglich die geschätzten 7 Millionen Sommersprossen, die sich dummerweise nur auf meiner Nase platziert haben , stören ein wenig.
Stromausfälle gehören zum täglichen Inselleben genauso dazu wie die über Megaphon ausgerufenen, muslimischen Gebetsgesänge oder die krähenden Hähne. Im Normalfall zwei mal täglich und immer abends oder nachts. Und dann ist so richtig Nacht auf der Insel und man sieht die Hand vor Augen nicht mehr. Meistens dauern diese Stromausfälle allerdings nur wenige Minuten und sind nicht weiter störend. Außer, man ist just in dem Moment des Stromausfalls mit dem Duschen fertig, so wie ich gestern Abend. Da schaut man dann mitunter etwas blöd aus der nicht vorhandenen Wäsche…
Ähnlich wie mit dem Strom verhält es sich auch mit dem WiFi. die letzten drei Tage gab es nun kein Internet mehr – mitunter ein Grund, weshalb ich auch jetzt erst wieder zum bloggen komme. Aber ehrlich gesagt: Who cares?
(7. – 12. Juni)
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