… oder auch “Die sind doch alle auf Mushrooms hier!”
Eine kleine Insel-Anekdote…
Überall auf der Insel sieht man vor den Restaurants, neben den mit Glühbirnchen beschienen Menü-Karten-Haltern Aufsteller mit der Aufschrift “Magic Mushrooms sent you to heaven” oder “we have the best Mushrooms on the island” und ähnliches… So ziemlich jeder dürfte wissen, was damit gemeint ist. Nur bei mir hat es einen geschlagenen Nachmittag und geschätzte 20 dieser Schilder gebraucht, bis klar wurde, dass die Gilis keine Spezialisten in Sachen “Pilz-Gerichte” sind, sondern eben Drogen verkaufen – was ich als stockkonservatives Münchner Kindl natürlich absolut unglaublich finde. Und tatsächlich sind die Einheimischen hier und deren “good friends” from all over the world irgendwie alle auf Mushrooms. Macht aber nix, sorgt höchstens für noch mehr Freundlichkeit und ständiges Gekicher. Hätte man wissen können, muss man aber nicht…
Was man hingegen wirklich wissen sollte ist, welche Fische giftig sind und welche nicht. Nachdem ich beim Tauchen aber ja niemals irgend etwas anfasse sondern nur gucke, ist das halb so wild. Nichts desto trotz durfte ich heute ein paar der giftigsten bekannten Fische sehen, den Lionfish und den Scorpionfish. Denkt man gar nicht, wenn man sie sieht: Der eine sieht aus wie ein Stein mit Schwimmflügel, der andere einfach nur zuckersüß, möchte man sich am liebsten als Plüschtier ausstopfen lassen. Aber, wie das PADI Tauchbuch auch lehrt: Alles, was besonders schön oder besonders hässlich ist, ist meistens giftig oder zumindest aggressiv.
Abgesehen von den Giftträgern sahen wir auf diesem Tauchgang heute aber noch jede Menge anderes Fischiges und wunderschöne, gut erhaltene Korallenriffe, bei glasklarem Wasser mit Badewannen-Temperatur.
Gili Trawangan hat “im Süden” einen kleinen “Berg” (laut Reiseführer stolze 72 m hoch), von welchem aus man angeblich einen Wahnsinns-Blick auf den Sonnenuntergang vor Balis größtem Vulkan, dem Agung, hat. Und da man ja nie weiß, wie am nächsten Tag das Wetter werden wird und ich nach all den Schlechtwettertagen auf dieser Reise in der Zwischenzeit leicht misstrauisch geworden bin, wollte ich den Sonnenuntergang heute natürlich unbedingt “mitnehmen”. Also liefen wir Richtung Berg und dann die einzige sich bietende Möglichkeit nach oben. Der Aufstieg bestand aus einer schmalen, den Hang hinauf führende, betonierte Treppe. Die Sonne ging immer weiter unter (wir waren auch nicht gerade früh dran) und ich hechtete die Stufen nach oben, die mich dann doch schwer an die Devil Stairs des neuseeländischen Tongariro National Parks erinnerten. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Den ich dann doch leider verlor. Denn oben angekommen hatte sich die Sonne gerade eben verabschiedet. Und tschüss. Da stand ich nun, völlig außer Atem, die Soße lief mir am ganzen Körper runter und hinter uns saßen grinsende und völlig relaxte Einheimische mit “good friends” aus Australien oder sonstwo. Denen ging’s gut. Klar, die hatten den Sonnenuntergang ja auch noch erlebt und waren zudem total auf Mushrooms. Bei mir hingegen stellte sich ein altbekanntes Gefühl ein: Wie eine Verblödete zum Hohenzollernplatz hetzen um die U2 zu erwischen, die einem dann trotzdem direkt vor der Nase wegfährt. Das Dumme an der Sache ist nur: Die nächste U2 kommt im Normalfall fünf Minuten später, um den Sonnenuntergang zu erleben muss ich allerdings nochmals überirdische Qualen beim Erklimmen des Berges auf mich nehmen und wer weiß, ob dann auch noch mal das Wetter mitspielt? Aber gut, man muss es ja positiv sehen: Ich war sportlich aktiv und konnte meine zuvor einverleibte Pizza (sicherheitshalber ohne Pilze, man kann ja nie wissen…) “verbrennen”.
Der Rest des Abends wird definitiv mit Relaxen verbracht…
(6. Juni)
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