Die restlichen Tage in Wellington vergingen wie im Flug. Schlechtes Regenwetter am Freitag sorgte für einen langen Tag im öffentlichen Museum “Te Papa”, in dem man sich ausreichend über Kultur und Hintergründe Neuseelands informieren konnte. Und das komplett kostenfrei – auch mal nicht schlecht. Eines der Highlights für die Kiwis in ihrem National-Museum: Ein über vier Meter langer Tintenfisch, der vor zwei Jahren zufällig gefischt wurde, anschließend ordentlich präperiert und in Flüssigkeit eingelegt, sodass man ihn nun in seinem Bottich angucken kann. Wer’s mag… Freitagabend wurde dann im heimischen Appartment in Wellington lecker Pizza gebacken, bevor es dann auf die Piste ging und wir das Ausgeh-Viertel der City entdeckten, das tatsächlich gar nicht so übel war. Eine Bar nach der anderen… Nach vier Bars und etwas mehr alkohloischen Getränken machten wir dann aber Schluss, was eine gute Entscheidung war, da ich um 10 Uhr morgens bereits wieder aus dem Bett geschmissen wurde: Sigthseeing stand auf dem Programm und bei dem herrlich sonnigen Wetter in Wellington konnten wir die Stadt nochmal in vollen Zügen genießen. Nach einem Abstecher mit dem “Cable Car” und dem Rückweg in die City durch den botanischen Garten legten wir einen gemütlichen DVD-Abend ein.
Am nächsten Tag ging es bereits wieder früh raus: Um 7 Uhr waren wir auf der Fähre und verließen Wellington Richtung Südinsel, Picton. Dort angekommen ging es als allererstes in einen Coffee-Shop mit Wifi, da ich natürlich unbedingt wissen musste, welchen Ausgang das CL-Finale genommen hatte… Gut, darüber verliere ich jetzt an dieser Stelle keine weiteren Worte. Wir machten uns dann weiter auf Richtung Marlborough Sounds – Fjorde wie in Island (wie ich mir habe sagen lassen) – und wanderten dort ein wenig herum, bevor wir uns in Nelson eine Unterkunft suchten. Fanden wir auch. Ein wirklich nettes Backpacker in einem alten, abgewohnten Haus im viktorianischem Stil. Wie in fast jeder neuseeländischen Stadt, die ich bisher gesehen habe, wurden allerdings auch in Nelson um 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Also ging es mit vollem Magen nach einem grandiosen 15$-Special-2-Courses-Dinner (die konnten tatsächlich richtig gute Pasta) wieder ins Backpacker. Der nächste Morgen bescherte leider mal wieder nur Regen, sodass wir den Vormittag „in der Stadt” verbrachten und bei einem deutschen Wurstladen ordentlich zuschlugen. Was die in Neuseeland hier nämlich gar nicht können ist Wurst. Aber mit so einem „German Wurstladen” mit deutscher Bedienung, Weißwürsten, Landjäger, Schinken & Debrecziner kann man sich weiterhelfen. Da es gegen Mittag den Anschein machte, dass der schwere Sturm, der ursprünglich vorhergesagt war, sich wohl nun doch ein anderes Plätzchen zum Austoben gesucht hatte, wagten wir dann doch noch die Fahrt in den Abel Tasman National Park. Leider gute zehn Minuten zu spät: Als wir ankamen, war das letzte Wassertaxi für diesen Tag schon weg. Der Abel Tasman National Park ist eine Mischung aus Südsee und Alpen: goldfarbene Sandstrände, mit Bäumen dicht besiedelte Felsen und klares Wasser. Am Besten zu erkunden mit einem Wassertaxi. Da wir aber diesbezüglich Pech hatten, „mussten” wir laufen, was zwar natürlich trotzdem sehr schön war, leider aber nur im Ansatz erahnen ließ, wie schön wohl noch die weiteren Abschnitte und Buchten des Parks sein müssen.
Die Nacht verbrachten wir nochmal im Backpacker und zogen am nächsten Morgen weiter Richtung Westküste. In Westport dann der erste Abstecher zum Cape Foulwind und dort dann an die Taurango Bay, an der es angeblich eine Robben-Kolonie haben sollte. Also, losmarschiert und um die Felsen herum und da waren sie: Ganz viele große und kleine und mächtig viele dicke und faule Robben. Endlich hatte ich „meine” Robben gesehen. Da waren der Regen und das miese Wetter (hatte ich schon erwähnt, dass es auch an diesem Tag regnete?) vergessen und nachdem sämtliche sichtbaren Robben analytisch studiert und begafft waren, trabte ich glückselig zu unserem Camper zurück.
Hoch motiviert (jetzt hatte es doch plötzlich aufgehört zu regnen!) ging es weiter an der absolut unglaublichen Westküste der Südinsel: Eine tolle Bucht nach der anderen, atemberaubende Klippen und Felsen im Wasser, mächtige Wellen und wunderschöne Aussichten. In Punakaiki wartete dann das nächste Spektakel auf uns: Die Pancake-Rocks – Kalksteinwände, die durch die Witterung der Jahrtausende zu geschichteten Felsformationen ausgewaschen wurden und eben aussehen wie haufenweise übereinander gelegte Pfannkuchen. Nicht lecker, aber beeindruckend! Da wir wirklich auf den letzten Drücker kamen, kurz, bevor die Sonne unterging, konnten wir zwar noch ein paar „romantische Bilder” von den Pancakes schießen, sahen aber nicht mehr genug, um alles in Ruhe dort anzusehen und beschlossen, tagsüber nochmals wiederzukommen… Für die Nacht wurde dann wieder ein Campingplatz angesteuert und nachdem der „Stellplatz klar gemacht war” ging es nochmals in die völlig ausgestorbene City von Greymouth. Man stelle sich vor: Eine sehr, sehr breite Straße, rechts und links flache Gebäude die aussehen wie aus einer Westernstadt (kommt auch übrigens nicht von ungefähr, Greymouth war mal eine „Goldgräberstadt”), eine einzelne Straßenlaterne versucht, ein wenig Licht in die ansonsten völlige Dunkelheit zu bringen und Nebelschwaden (ist ja Herbst hier, ne) kriechen am Asphalt entlang. So ungefähr. Allerdings fanden wir doch dann tatsächlich noch ein sehr nettes Lokal, eine alte Brauerei, die sehr schön neu hergerichtet war ohne von ihrem ursprünglichen Charme zu viel zu verlieren, und da saßen sie dann alle die drin, die Einheimischen. Wie wenn man einen Stein hochhebt und drunter tummeln sich die Asseln. Also genehmigten wir uns dort noch einen Drink, bevor es zurück in den Camper und in eine weitere, sehr, sehr kalte Nacht ging…
Der nächste Tag brachte doch erstaunlicherweise von Anfang an Sonnenschein und so packten wir schnell unsere sieben Sachen zusammen und düsten noch mal an der Westküste entlang um die Pancakes dann in ihrem vollen Glanz (also einfach im Hellen halt) anzuschauen. Hatte sich auch wirklich gelohnt! Ein Stückchen weiter nördlich hielten wir dann bei einem Lookout an der Westküste an und genossen im Sonnenschein vor unserem Camper ein tolles „Frühstück mit Aussicht” (inklusive Deluxe-Rührei mit Tomaten und Käse) bevor wir dann noch einen kleinen Ausflug zum Stand runter über den „Truman Track” machten. 15 Laufminuten durch den Urwald und man steht in einer wildromantischen Bucht. Da sich allerdings eine Sandflie-Kolonie genau das selbe Plätzchen Erde ausgesucht und uns als Frühstück auserkoren hatte, traten wir dann auch recht schnell wieder den Rückzug an. Leider nicht früh genug, ein paar Stiche hatten wir dennoch abbekommen. Mistviecher. Bei grandiosem Wetter cruisten wir die Westküste entlang bis nach Hokatika. In Greymouth legten wir nochmals einen kurzen Stop ein, um uns eine Jade-Galerie anzusehen. Ich hatte eigentlich gehofft, ein paar Andenken dort besorgen zu können, allerdings waren sämtliche Schmuckstücke wirklich schw***teuer, sodass wir es beim Gucken beließen und weiterfuhren.
Hokatika ist die angeblich attraktivste Stadt der Westküste. Hat man sie nicht gesehen, hat man allerdings auch nicht viel verpasst. Von uns bekam Hokatika einen kurzen City-Walk und ein Begutachten des Strandes ab – das war dann auch ausreichend. Im Anschluss wollten wir uns noch Shantytown ansehen, eine nachgebaute Goldgräberstadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem kleinen Haus vorbei, dessen Schild uns verriet, dass dort eine Jade-Werkstatt sein musste. Der extrem attraktive Kiwi, der mit seinem Kaffee auf der Veranda saß und uns zuwinkte, machte einen solch symphatischen Eindruck, dass wir drehten und der Jade-Werkstatt einen Besuch abstatteten. Wir wurden sofort von Garth (dem extrem attraktiven Kiwi, verheiratet, 2 Kinder) in die Kunst der Jade-Schmuck-Erstellung eingeführt und natüüüürlich gingen wir dann auch nicht ohne Jade-Kette raus.
Shantytown war dann innerhalb von 2 Sekunden abgehakt: 27$ für eine nachgebaute Goldgräberstadt in der NIX los ist, müssen dann doch nicht sein.
Also machten wir den restlichen Tag noch ordentlich Kilometer und fuhren runter bis Franz Josef um dort am nächsten Tag die „Full Day Franz Josef Glacier Tour” mitzumachen. In drei Gruppen ging es morgens in voller Montur (inklusive Spikes) auf diesen gewaltigen Gletscher. Nach einem kurzen, heftigen Aufstieg (der mich ein wenig an die Devils Stairs aus dem Tongariro National Park erinnerte) waren wir dann mitten auf und in dem Gletscher. Eine absolut einmalige Erfahrung! Wir wanderten durch Gletscherspalten und Höhlen und erlebten die faszinierende Schönheit des „blauen Eis”. Durch den sehr starken Wind war es zwar ordentlich kalt, aber beim Laufen über die Eisflächen, bei dem man dann doch aufpassen musste, nicht in eine Gletscherspalte zu segeln, wurde einem dann doch gut warm.
Mein Vordermann verlor bei einer „Gletscherspalten-Durchwanderung” leider mal sein Gleichgewicht und segelte ordentlich auf mich drauf. Durch den Versuch, sich abzustützen bekam ich – bzw. vielmehr mein linkes Schienbein – dann leider seine Spikes ab. Die Folge war, dass ich jetzt unterhalb des linken Knies ein kleines Loch und eine Prellung habe, die mutmaßen lässt, dass mir dort ein drittes Bein wächst. Natürlich wanderte ich trotzdem brav weiter – bin ja kein Mädchen! ;-)
Nach 10 Stunden „an der frischen Luft” war der Spaß dann vorbei und während sich der Rest der Truppe in die Hot Pools stürzte, mussten wir wieder in den Camper springen um abends noch die Westküste wieder Richtung Norden zu fahren, um schon mal einen Teil des Weges nach Christchurch – unserem finalen Ziel hier in Neuseeland – zurückzulegen.
Da waren wir dann also wieder in Greymouth – der Geisterstadt. Nachdem der Herbst auf der Südinsel mittlerweile in einen Winter übergangen war und wir wenig Lust hatten, uns nachts im Camper möglicherweise lebensnotwendige Körperteile abzufrieren, suchten wir uns ein Backpacker – fanden wir auch. „Noah’s Arke”, ein kleines, symphatisches Backpacker in einem alten, viktorianischem Haus – wieder mal. Da dieses Backpacker aber einen Haushund – einen Golden Retriever namens Bez – hatte, hatte es bei mir sowieso gleich gewonnen. Und nachdem Bez von mir ordentlich durchgeknuddelt wurde, wich er mir auch nur noch schwer von der Seite und legte sich dann sogar vor die Zimmertür und hielt Wache.
Leider musste ich Bez schon am nächsten Morgen wieder verlassen, wir nahmen den Lewi’s Pass Richtung Christchurch, ein kleiner Umweg, da der näher gelegene Arthur’s Pass Schneeketten erfordert hätte (!!!), die wir logischerweise nicht mit dabei hatten. Aber auch auf dem Lewi’s Pass hatte es ordentlich geschneit und so war es eine Fahrt durch’s neuseeländische Winter-Wonderland. Hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber war nun auch nicht zu ändern.
In Christchurch selbst war das Wetter aber auch nicht unbedingt so viel besser – eiskalt und extrem stürmisch. Die letzten beiden Nächte hier in Neuseeland hätten wir eigentlich wieder bei einem “Couchsurfer” verbringen wollen, entschieden uns dann aber spontan doch für ein zentraler gelegenes Backpacker. Dann mussten wir Abschied nehmen von unserem kleinen Hippie-Camper und ihn wieder zurück zum Mutterschiff, Apollo, bringen.
Zurück im Backpacker bereiten wir uns nun auf unseren letzten Tag bei den Kiwis vor, bevor es dann ab in die Sonne nach Bali geht…
(21. – 28. Mai)










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