Verfasst von: 70tageweitweitweg | 20. Mai 2010

Schlammlöcher und Vulkane – Teil 2

Also ging es weiter nach Turangi, unserer Bleibe für die nächste Nacht bei Johanna, einer Holländerin, die vor 35 Jahren nach Neuseeland ausgewandert war. Dort gab’s dann in uriger, gemütlicher Stimmung bei prasselndem Kaminfeuer und mal wieder umgeben von Hunden und Katzen noch eine leckere Kürbissuppe mit anschließendem Dessert: Hoky Poky – ein Eis mit irgendwas komischen, aber lecker schmeckenden innen drin. Muss man ja alles mal gegessen haben (seit dem Lamm schockt mich ohnehin nichts mehr). Ins Bett ging’s dann relativ früh, denn wir hatten für den nächsten Tag eine Mission: Tangariro Crossing. Dem geneigten Neuseeland-Kenner mag das jetzt etwas sagen, allen anderen sei gesagt: Ein “Must-Do”, aber bitte bloß nicht jede Woche! Der Tangariro National Park ist ein absolutes Highlight Neuseelands und beeindruckt durch seine Vulkane und die zugehörige Lava-Landschaft. Hier wurden auch viele Szenen der “Herr der Ringe”-Trilogie gedreht. Der Zeitplan für diesen Tag sah für uns dann wie folgt aus: 6 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr Abfahrt und um 7.30 Uhr standen wir abmarschbereit auf dem Parkplatz. Die Landschaft war absolut beeindruckend: Überall Lavagestein und vor uns der riesige, mit schwarzer Asche und rotem Gestein überzogene Vulkan. Kurze Zeit später konnte ich den Ausblick allerdings nur noch bedingt genießen und musste eher darauf achten, wohin ich trat: Die “Devil’s Stairs” machten ihrem Namen alle Ehre und mir ordentlich zu schaffen. Drei Stunden später und gut fertig waren wir dann am Krater und den Seen angekommen und wurden mit einem grandiosen Ausbilck für die Mühen und Plagen entschädigt. Runter ging’s dann erstmal leichter, bis irgendwann der Regen einsetzte und sich die letzten Meter (bzw. die letzten zwei Stunden) etwas langwierig gestalteten. Nichtsdestotrotz eine absolut lohnenswerte Tour.

Auf dem weiteren Weg Richtung Süden hatten wir uns dann nach all den Strapazen eine ordentliche Stärkung verdient und holten uns – im angeblich besten Döner-Laden Neuseelands – einen heißen Döner in Bulls, bevor es nach Palmerston North weiterging, wo wir unser Nachtlager wieder auf einem Campingplatz (diesmal mit Strom und neu erworbernem Heizlüfter) aufschlugen.

Das böse Erwachen kam am nächsten Morgen: Der Muskelkater meines Lebens. Autsch. Jeder Schritt war eine Qual, jede Treppenstufe die Hölle. Da wird einem dann leider doch recht offensichtlich bewusst, dass die Kondition quasi nicht mehr vorhanden ist – und das nicht erst seit gestern. Da das Wetter aber ohnehin nicht gerade dazu animierte, eine weitere Wandertour einzulegen (es regnete mal wieder) beschlossen wir, über mehrere kleine Stops an diesem Tag bereits nach Wellington weiterzufahren. Ursprünglich hätten wir nur zwei oder drei Nächte in Wellington verbringen wollen, nun waren es also vier, worüber ich auch nicht gerade unglücklich war, da wir ja nun seit knapp zwei Wochen nonstop jede Nacht woanders verbracht hatten und eine etwas dauerhaftere Bleibe ja auch mal ganz nett ist.

So ging es dann über meherere kleine Orte an der Westküste, bei der wir unter anderem die älteste Kirche Neuseelands im Stil der Maori oder auch nochmal recht nette Küstenabschnitte sahen, nach Wellington. Und bei so viel Natur in all den Tagen war es dann auch mal wieder Zeit für Kultur der anderen Art: Abends war Kino angesagt. Ironman 2. Naja… Dazu werde ich mich jetzt nicht weiter äußern, für mein Englisch war es auf alle Fälle nicht verkehrt und aufgrund der nicht vorhandenen tiefgründigen Dialoge perfekt um alles zu verstehen.

Am nächsten Morgen dann endlich mal wieder in aller Ruhe Ausschlafen! Bis 9 Uhr! Herrlich! Und noch viel besser: Rührei mit allem drum und dran und richtig leckeren Cappuccino. Danach war ich startklar für die Erkundungstour durch die Stadt. Wellington ist die Hauptstadt Neuseelands, wesentlich kleiner und auch nicht so kosmopolitisch wie Auckland aber durchaus sehr reizvoll. Hügelig angelegt wie San Francisco mit einem großen Hafen, einem modernen Geschäftsviertel mit vielen Hochhäusern und vielen Straßenzügen mit netten, kleinen, an Hängen gelegenen Holzhäusern. Auf dem Mount Victoria, von dessen Aussichtsplattform man einen tollen Blick auf die Stadt hat, wurden viele „Herr der Ringe”-Szenen gedreht (so wie eigentlich überall…).

Nach ein bisschen Bummeln durch die City ging es dann auch zurück in unsere momentane Bleibe um ein wenig zu relaxen und endlich mal wieder so richtig Wäsche zu waschen.

(16. – 20. Mai)

 


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