Es gibt sicherlich schnellere Wege, von Neuseeland nach Bali zu kommen, in unserem Fall aber keinen günstigeren, daher sah unser Trip nach Indonesien wie folgt aus: Nachts kurzer Aufenthalt am Flughafen in Christchurch (mit der tatsächlich besten Senator-Lounge, die ich bis dato gesehen habe), 3 Stunden Flug nach Melbourne, 2 Stunden Aufenthalt, 7 Stunden Flug nach Singapur, 3 Stunden Aufenthalt (spitzenmäßiger Salat in der Lounge), 2 Stunden Flug nach Denpasar. Das Aussteigen aus dem Flieger in Denpasar bot dann allerdings endlich das lang ersehnte Gefühl: Laufen gegen eine Wand. Es war ca. 22 Uhr abends und hatte knappe 30°. Für die ersten fünf Minuten war das nach all den kalten, regnerischen Tagen, die wir am Schluss in Neuseeland erlebt hatten, fantastisch. Dann allerdings schlug sich die Müdigkeit nieder und das Anstehen für Visa und Immigration im stickigen Flughafen war einfach nur noch eine Qual. Mit dem Taxi ließen wir uns dann in ein günstiges Hotel nahe des Hafens fahren, da wir ohnehin am nächsten Morgen weiter wollten. Tja, und was bescherte uns der nächste Morgen? Regen! Aber was für welchen! Sintflutartig lief der Regen von den Dächern runter und setzte die Straßen unter Wasser. Ich dachte eigentlich, wir hätten den Regen in Neuseeland zurück gelassen? Dem war wohl nicht so… Nach einem schnellen Frühstück (natürlich inklusive Rührei) ging es dann auch schon mit dem Shuttle zum „Hafen“: Ein Pier oder irgend etwas in der Art gab es nicht, die Boote lagen einfach direkt am Strand von Sanur im Wasser und man musste beim Einsteigen aufpassen, dass einen nicht im selben Moment eine Welle erwischte und samt Rucksack ins Wasser zurück schmeißt. Mit dem Speedboot ging es dann in einer 30minütigen Fahrt nach Lembongan, einer vor Bali gelagerten Insel. Der Seegang war extrem heftig, meterhohe Wellen sorgten dafür, dass man teilweise das Gefühl hatte, gleich vom Wasser verschlungen zu werden. Einige Male jagte das Boot auf solch hohe Wellen nach oben und fiel dann mehrere Meter laut krachend herunter in das Tal, das sich zwischen den Wellen auftat, dass man dachte, es zerbricht gleich in mindestens zwei oder mehr Stücke. Ich fand’s lustig (im Gegensatz zu einem englischen Passagier, der kurz davor war, sich zu übergeben (was zum Glück nicht passierte, denn vor ihm lagen unsere Rucksäcke)).
Auf Lembongan angekommen (es hatte aufgehört zu regnen – juhuu!) wurden wir mit dem Pickup in unser Resort gefahren. Und auf dieser Fahrt konnte ich erstmals die Schönheit Balis erahnen. Wir fuhren durch einen tropischen Wald über eine holprige Straße, rechts und links am Straßenrand immer wieder kleinere, traditionelle Tempel, mit Opferstellen, von Blumen übersät – einfach nur schön.
Das Resort, Waka Nusa, war ein Resort der „gehobenen Klasse“, zumindest für indonesische Verhältnisse. Umgerechnet ca. 30 € pro Person und Nacht – in Bali ist das eher teuer. Direkt am Strand gelegen, mit Pool und schönem Restaurant waren wir gemeinsam mit einem Pärchen, das wir aus München kennen, und vier weiteren Personen die einzigen Gäste im Resort. Zumindest die einzigen, die dort wohnten. Wir mussten nämlich leider recht schnell feststellen, dass sich die Resortbetreiber in der Nebensaison ein kleines Zusatzeinkommen gönnen: Das Ankarren von Tagestouristen. Denn täglich um 11 Uhr vormittags legte ein Katamaran mit nervenden Tagestouris an unserem Strand an, die Horde verteilte sich über die Liege-/Sandfläche, ging dann schnorcheln oder Banana-Boat fahren, kam dann zum Barbecue wieder zurück und nach weiterem Rumhängen in unserem Resort wurden sie dann gegen halb 4 nachmittags wieder weggeschippert. Nicht wirklich prickelnd, wenn man mal zwei Tage einfach nur in schönem Ambiente relaxen will. Da ab dem zweiten Tag aber so gut wie dauerhaft die Sonne schien, konnte das meine Laune nun auch nicht wirklich verderben und so stand für diese beiden Tage nichts weiter auf dem Programm als Relaxen, Lesen, Schnorcheln, Baden und Essen. Um das an dieser Stelle nicht unerwähnt zu lassen: Das Frühstück war sensationell, die Rühreier perfekt!
Am dritten Tag fuhren wir dann wieder zurück auf die Hauptinsel Bali und ließen uns ins Landesinnere, nach Ubud bringen, einem sehr schönen, balinesischen Ort, von welchem aus man eigentlich sämtliche Trips machen kann, um die Highlights der Insel zu sehen. Das erste Hotel, das wir uns ansahen und bei dem wir nach dem Preis fragten, nahmen wir auch direkt: Ein wunderhübsches, kleines Hotel, nach „hinten raus“ gelegen, mit einem traditionell angelegten, indonesischen Garten (inklusive Teich, Fröschen und Brückchen) und einem großartigen Pool mit Blick in die Reisfelder. Die Zimmer waren in balinesischen, turmartigen Häusern untergebracht, mit eigener, großzügiger Veranda und Blick in den Garten und über die Dächer Ubuds. Inklusive Frühstück pro Person für ca. 10 € pro Nacht – was will man mehr! Nach dem Check-In ging es dann ins Café Wayan, ein in einem tropischen Garten gelegenem Café und Restaurant, ein „Must Do“ in Ubud und anschließend in den Monkey Forest, einem tropischen Urwald mit Unmengen an neugierigen und frechen Makaken. Im Anschluss liefen wir noch durch die Straßen Ubuds (in brütender Hitze, was meine noch neuseeländisch-eingefrorenen Glieder hell begeisterte) und machten für den übernächsten Tag im ältesten Massage-Tempels Balis eine Ganzkörpermassage klar. Und dann waren wir natürlich hungrig und Essen musste her. Das indonesische Restaurant, welches wir wählten, hatte auch tolle Pasta auf der Karte und nach der langen Durststrecke, bzw. Pasta-Abstinenz konnte ich nicht anders und orderte die „Fettuccine alla casa“ – und wurde nicht enttäuscht. Zu meiner – positiven – Überraschung gab es Pasta vom allerfeinsten. Das Highlight war allerdings das Dessert. Nachdem ich mich hier in Bali wohl etwas schwer tun werde mit meinem „Five Dollar Special von Mc Donalds“ (Muffin und Cappuccino), gab es für mich einen Apfelkuchen, der einfach nur gigantisch war. In Ubud hat es eine berühmte Konditorei, die „Honeymoon Bakery“ heißt und die einige Restaurants beliefert. Unter anderem auch das Restaurant, in dem wir an diesem Abend waren. In den Kuchen hätte ich mich reinlegen können und war mehr als selig, als wir anschließend vollgefressen den Heimweg antraten.
Am nächsten Morgen wurden wir sehr früh durch das Gebetssingsang der Schüler der gegenüberliegenden Schule geweckt. Machte aber nix, wir mussten ohnehin los zur „Inseltour“: Wir hatten am Vorabend noch einen Fahrer klar gemacht, der uns an diesem Tag über die Insel kutschieren sollte (die günstigste Möglichkeit, wenn man zu mehr als zwei Personen unterwegs ist – umgerechnet 10 € pro Person), um in einem Tagestrip einige der sehenswertesten Spots Balis zu erleben. Im vollklimatisierten Minibus ließen wir uns zum ersten Highlight, dem „Heiligtum Gunung Kawi“, ein in einer Schlucht gelegener Bestattungstempel. Sehr schön anzuschauen. Dummerweise muss man auf dem Rückweg die gefühlten 100.000 Stufen auch wieder nach oben laufen und schleppt sich dann in der brütenden Hitze, belästigt von Unmengen an Sarong-Verkäuferinnen wieder gen Taxi… Die Klimaanlage im Wagen sorgte allerdings für eine schnelle Abkühlung auf dem Weg zum zweiten Spot, dem Muttertempel in Besakih. Dass man für sämtliche Sehenswürdigkeiten Eintritt zahlen muss, ist ja verständlich. Ärgerlich fanden wir allerdings, dass man in Besakih wirklich abgezockt wird: Der Muttertempel liegt am Fuße eines Vulkanes, man zahlt „unten“ am Parkplatz seinen Eintritt, will man dann das Tempelgelände allerdings besichtigen, zahlt man ein weiteres Mal für den Führer, da die Besichtigung nur mit einheimischen Guide gestattet ist. Trotzdem lohnte sich der Besuch allemal, da der Komplex aus fast 200 alten Bauwerken besteht, alles Tempel der „alten Familienclans“. Weiter ging es dann zu zwei Wassertempeln in Tirtagangga und Ujung und auf dem Rückweg nach Ubud noch an einer Goa vorbei, deren Inneres „leider“ nicht besichtigt werden konnte, da an diesem Tag Zeremonien stattfanden. Das machte aber gar nichts, denn die Zeremonien live mitzuerleben, war viel spannender: Die Hindus kamen in Scharen, herausgeputzt in ihren feinsten Kleidern und Sarongs und brachten jede Menge Opfergaben in Körben, die die Frauen auf dem Kopf trugen, mit. Dann stellten sie sich an den Türen des Tempels an, warteten darauf eingelassen zu werden um die Opfergaben segnen zu lassen und kamen am Hinterausgang des Tempels wieder raus. Aus welchem Anlass diese Zeremonie stattfand, konnten wir leider nicht herausfinden und auch unser Fahrer wusste es nicht. Er meinte nur, es sei eine Zeremonie für den Tempel (da wir allerdings ca. 3 km weiter aus dem Wagen nochmals eine solche Zeremonie sahen, bezweifelte ich, dass es nur für den Tempel war, sondern vielleicht doch etwas mit dem Tag (der übrigens unser Christi-Himmelfahrt-Tag war) zu tun hatte). Allerdings gibt es bei den Hindus so unendlich viele Zeremonien und Rituale das ganze Jahr durch, allein der Reiseführer verbraucht dafür ein ganzes Kapitel…
Am späten Nachmittag lieferte Wayan uns dann wieder am Hotel ab. Auf Bali heißt übrigens jeder vierte Mensch „Wayan“, da die Balinesen im Grunde nur vier Namen haben, nach welchen sie benannt werden, bzw. ihre Kinder benennen: Wayan, Made, Nyoman und Ketut (was soviel heißt wie Erste/r, Zweite/r, Dritte/r, Vierte/r). Mädchen und Jungen werden so benannt und beim möglicherweise fünften Kind fängt man wieder mit Wayan („der/die Zweite/r“) an. Sehr praktisch. Ich wollte ja auch nicht glauben, was da so in den Büchern steht, aber es bewahrheitete sich bislang tatsächlich: Die Balinesen fragen Dich IMMER: Wo kommst Du her? Wo gehst Du hin? und: Bist Du schon verheiratet? Nicht, weil sie indiskret sind – gut, sie sind es dadurch trotzdem, sehen sich selbst aber nicht so – sondern, weil sie dadurch das Gegenüber einzuschätzen versuchen. Überhaupt sind die Balinesen unglaublich freundlich und lächeln wirklich den ganzen Tag – kein Wunder, müssen sie ja auch, alles andere verstößt ja auch gegen die Religion… Soviel dazu.
Nach einer Runde Pool war es dann mal wieder Zeit für’s Essen und einen Nachtisch aus der Honeymoon Bakery im Café Wayan: „Death by Chocolate“ (heißt wirklich so!). Sagt eigentlich schon alles. Danach rollte ich mich gen Hotel zurück…
Am letzten Tag in Ubud machten wir vormittags noch eine kleine Wanderung durch die Reisfelder, kühlten uns dann wieder im Pool ab um anschließend noch ein wenig über den Markt zu schlendern. Handeln funktioniert hier ähnlich wie in Thailand: Man sollte in jedem Fall „ganz weit unten“ beginnen mit seinem Gegenangebot, da die Preise, die einem die Händler nennen, extremst überteuert sind. Ich hatte mir beispielsweise einen Sarong gekauft (braucht man, um die Tempel zu besichtigen), dessen erstes Angebot bei 200.000 Rupien (ca. 18 €) lag, gekauft habe ich ihn dann für 30.000 Rupien (ca. 2,80 €).
Um fünf Uhr nachmittags hatte ich dann meine Massage im ältesten Massage-Salon Ubuds. Hier wurde ich dann eineinhalb Stunden durchgeknetet, inklusive Peeling-/Yoghurt-Kur und anschließendem Blütenbad. War in jedem Fall entspannend, noch entspannender wäre es gewesen, wenn Annie, meine Masseurin, sich nicht so wahnsinnig viel Mühe damit gegeben hätte, die Prellung an meinem linken Bein (der „Gletscher-Unfall“) wegzumassieren. Autsch.
Nach einem letzten tollen Abendessen in Ubud und einer Flasche balinesischen Weißwein auf der Veranda vor dem Hotelzimmer ging es dann am nächsten Morgen mit dem Speedboot auf die Gilis. Die Gilis sind drei kleine Inselchen, die vor der Küste Lomboks liegen. Vor zehn Jahren galten sie noch als Geheimtipp, mittlerweile hat auch sie der Tourismus fest in der Hand. Allerdings hält sich das derzeit noch in Grenzen, in weiteren zehn Jahren braucht man wahrscheinlich nicht mehr hin. Ursprünglich wollten wir uns für ein paar Tage eine kleine Strandhütte nehmen und Tauchen gehen. Allerdings gibt es hier überhaupt keine Hütten, die direkt am Strand sind, alle Bungalows liegen nach hinten versetzt, sodass direkt am Strand meist das Restaurant ist, dann kommt die „Straße“ und dann erst die Bungalow-Anlagen, was mir persönlich nicht sonderlich gefällt. Unsere Anlage ist aber absolut in Ordnung, sehr sauber, mit großen Zimmern und eigener Mini-Lounge vor der Türe und kostet durch das „Zimmer-&-Tauchen-Package“ auch nur 250.000 Rupien (etwas mehr als 20 €). Nach der Ankunft musste ich erst mal ein kleines Nickerchen abhalten, bevor dann die Umgebung erkundet und der erste Tauchtrip klar gemacht wurde. Abends konnte man dann unter dem Sternenhimmel am Strand Essen, das hatte dann natürlich auch wieder was für sich.
Am nächsten Morgen wurde dann gleich – ganz sportlich – die Insel einmal umrundet. Das bedeutete zwei Stunden Spaziergang. Unglaublich viel zu sehen gibt es auf Gili Trawangan jetzt nicht, dafür ist wirklich alles – außer der Ostküste mit den Bungalow-/Hotelanlagen – sehr ruhig und naturbelassen. Es gibt auch keine motorisierten Fahrzeuge, sodass das die einzigen Fortbewegungsmittel das Fahrrad oder die Ponykutsche sind. Mal sehen, was es sonst noch so auf den Gilis zu entdecken gibt…
(30. Mai – 6. Juni)
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