Verfasst von: 70tageweitweitweg | 26. Juni 2010

Verkorkster Start in „Oz“

Denpasar – Bangkok – Brisbane – Cairns. Gefühlte drei Tage – tatsächliche 1,5 Tage – nachdem wir Bali verlassen mussten, kamen wir dann in Down Under an. Ich hatte mich schon über die angeblich zulässige Anzahl an Zigaretten, die man im Duty Free am Flughafen in Denpasar kaufen durfte, gewundert, aber die nette Balinesin versicherte mir mehrmals, dass die von mir gekauften Zigaretten für eine Einreise nach Australien völlig in Ordnung gehen würden. Traue nie einer lächelnden Indonesierin! Auf dem Weg zur Immigration in Brisbane wurde mir zum ersten Mal bereits komisch zumute, als wir – alle Passagiere des Flugs – uns an einer weißen Bodenlinie aufzustellen hatten, um von einem Drogenhund abgeschnüffelt zu werden. Zumindest bestätigte sich in diesem Moment, dass mir kein Balinese irgendwelche Mushrooms zugesteckt hatte. Nur die Sache mit den Zigaretten stellte sich als knifflig heraus und da mir dann der Arsch auf Grundeis ging als ich auch noch sah, dass wirklich jedes kleine Handgepäckstück von ausnahmslos jedem Fluggast detailliert durchleuchtet wurde, sagte ich am Zoll Bescheid, dass ich eventuell mehr Zigaretten mit mir führe, als erlaubt sei, da mir dies im Duty Free so gesagt wurde. Ende vom Lied war, dass ich entweder die zu viel mitgebrachten Zigaretten hätte versteuern dürfe – was sich auf den schlappen Betrag von 200 $ belief – oder sie abgeben durfte und nur ein Rest-Minimum behalten dürfe. Spontan entschied ich mich dann für das Rest-Minimum. Der zweite Schock ereilte mich kurz darauf: Mein sensationeller, neuer Backpacker war – trotz Flugschutzhülle aus LKW-Plane – massiv zerstört worden. Großartig. Und als wir dann doch mal aus dem Flughafen-Gebäude rauskamen und unseren Mietwagen aufsuchten, regnete es und im Vergleich zu Bali herrschten winterliche Temperaturen. Noch besser. Da es dann doch schon ein wenig spät und wir extrem übermüdet waren, nahmen wir uns das zweitbeste Hostel in Cairns und schalteten den Rest des Abends einfach ab. Wäre einfach gewesen, hätte unser Zimmer nicht direkt in den durchaus beliebten und belebten Innenhof des Hostels gelegen. Den Plan, um halb 5 Uhr morgens Ortszeit aufzustehen um das Spiel Deutschland : Ghana anzusehen, verwarfen wir im Moment des Weckerklingelns. Am nächsten Morgen mussten wir dann leider meine Reisebegleitung, die sich – wie sich letzten Endes herausstellte – Dengue-Fieber durch eine indonesische Mücke zugezogen hatte, ins Krankenhaus nach Cairns verfrachten. Als ich dann gegen 22 Uhr nach dem ersten „Urlaubstag in Australien“ gefrustet das Krankenhaus verließ, versuchte ich, auf dem Heimweg noch ein Bier oder einen Wein zu erstehen. Fehlanzeige! Alkohol gibt es in Australien nicht in einem normalen Supermarkt, auch nicht an einer Tankstelle, sondern nur in einem ausgewiesenen Liquor Store. Besagte Stores haben aber um 22 Uhr schon geschlossen. Meine Nachfragen bei diversen Lokalen und Restaurants blieben ebenfalls erfolglos, da diese keinen Alkohol verkaufen dürfen, außer, man konsumiert selbigen im Lokal. Die Kellner, die ich nach einem Bier für „take away“ fragte, sahen mich an, als würde ich sie fragen, ob sie Drogen für mich hätten. Oder, als sei ich nackt. Oder beides. Nach 1 Stunde sinnlosem Umherlaufen in Cairns schlug ich wieder im Hostel auf. Und da, direkt hinter dem netten jungen Mann an der Rezeption, stand ein Kühlschrank mit Wein und Bier. Ungefähr fünf Sekunden wähnte ich mich siegessicher, bis mir verkündet wurde, dass Alkohol leider nur bis 22 Uhr verkauft werden dürfe – auch im Backpacker. Shit.

Also gut, dann halt ohne Australien-hier-bin-ich-Gute-Nacht-Bier ab ins Bett.

Leider hatte ich nachmittags den Fehler begangen, zum ersten Mal seit 3 Wochen Kaffee zu trinken. Das Ende vom Lied war, dass ich bis morgens um 3 Uhr wie ein Duracell-Häschen im Bett lag. Aber auch diese Nacht ging vorüber und der nächste Tag – nachdem wir wieder komplett waren – sah schon weitaus vielversprechender aus. So führte uns unser erster, wirklicher Tag in Australien in den Norden, nach Port Douglas. Auf dem Weg dorthin verbrachten wir einige Stunden in einem Wildlife-Resort und guckten uns heimisches Getier an: Kängurus, Koalas, Schlangen, straußenähnliche Vögel, Krokodile, und was halt sonst noch so üblicherweise kreucht und fleucht in Australien.

Die Nacht verbrachten wir in einem Backpacker in Port Douglas und rangen uns dann notwendigerweise die Entscheidung ab, den Trip abzubrechen, da sich der Gesundheitszustand meiner Dengue-geplagten Begleitung definitiv nicht verbessert hatte und es eine extreme Herausforderung gewesen wäre, in den nur mehr 10 verbleibenden Tagen mit dem Auto nach Brisbane zu düsen, um dort am 6.7. den Heimflug anzutreten. Also, wieder zurück ins Krankenhaus, Attest besorgt, Flüge gecheckt und jetzt geht es schweren Herzens leider viel zu früh und ohne das richtige Down Under erlebt haben zu können wieder gen München (über Auckland und San Francisco), sodass ich am 29.06. bereits wieder da sein werde.

Trotz allem ein wirklich unvergesslicher Trip!

(Bali-Bilder werden nachgereicht, wenn die Internet-Verbindung nicht mehr der Geschwindigkeit einer Turtle ähnelt).

(23. – 26. Juni)

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 22. Juni 2010

Von der kleinen zurück zur großen Insel…

Weitere drei Tage auf „Gili-T“ (= Gili Trawangan) verliefen im angenehmen Alltags-Trott, bis wir uns dann doch dazu durchrangen, die Location nochmals zu wechseln und von der belebten Ostseite des Inselchens in den Norden umzogen. Dort war dann für zwei Tage fernab des „Dorftrubels“ relaxen, baden und lesen angesagt. Die Bungalow-Anlage war so etwas wie luxuriös: Mit Air-Condition und Frischwasser – hat man selten auf den Gilis. Highlight dieser beiden völlig entspannten Tage waren die Sonnenuntergänge am Strand: Kleine Rattan-Lounge-Ecken wurden für die Sonnenanbeter durch den Strand bis ans Wasser geschliffen und in Richtung der untergehenden Sonne ausgerichtet. Da saß ich dann lesend mit meinem Sunset-Bintang und genoss den Sonnenuntergang zu Loungemusik oder Gitarrenklängen der Einheimischen. Herrlich.

 

Natürlich musste der letzte Abend auf den Gilis nochmal gebührend begossen werden, weshalb es dann nach einem grandiosen Dinner (Kasnock’n im österreichischen Restaurant der Insel!) Richtung Rudy’s – sozusagen meiner Insel-Stammkneipe – ging und dort nochmal die „letzten Drinks im Paradies“ gemeinschaftlich genossen wurden.

 

Fast schon niedergeschlagen ging es am nächsten Tag mit dem Speed-Boot weg von den Inseln und zurück nach Bali. Ich verbrachte die gesamte Fahrt auf dem Sonnendeck (musste ja an meinem Teint arbeiten) und hatte dadurch das Glück, mich an einer Delfin-Kolonie zu erfreuen, die plötzlich wie aus dem Nichts auftauchte und eine Weile neben dem Boot herschwamm und immer wieder durch die Wellen sprang – wie im Kitsch-Film halt.

 

In Bali selbst bezogen wir wieder das gleiche Hotel wie in unserer ersten Nacht auf Bali, in Sanur. Für den nächsten Tag hatten wir auf Empfehlung der Tauchleute auf den Gilis nochmals einen Tauchgang vor Nusa Penida gebucht: Den Mantapoint. Und tatsächlich hatte ich hier dann im Vergleich zum eher hai-armen Sharkpoint viel mehr Glück: Insgesamt bekam ich ca. 20 Mantarochen zu sehen. Einfach unglaublich! Schon beim Abtauchen sah ich in der Tiefe unter mir einen rieeesigen schwarzen Fleck und plötzlich waren die Mantas überall: Neben mir kam einer angeschwommen und sah eher aus wie ein landendes Ufo, dann plötzlich zwei Mantas über mir, rechts, links, überall. Ich wusste gar nicht mehr, wo ich zuerst hinschauen sollte. Mit ca. 4 – 5 Metern Spannweite waren die Mantas auch nicht gerade klein und bewegten sich völlig anmutig, elegant und langsam gleitend durch die Tiefe. Wirklich ein ganz faszinierendes Erlebnis! Nach einem weiteren Tauchgang an einem Korallenriff ging es dann wieder zurück nach Sanur und am nächsten Tag dann weiter nach Kuta.

 

Kuta ist eine totale Touristenhochburg und kann man sich eigentlich getrost sparen, da allerdings in den Städten Balis so langsam die Hochsaison angefangen hat und es dann ohnehin egal ist, wo genau man übernachtet, wenn man tagsüber sowieso unterwegs ist, buchten wir uns in einer netten Bungalow-Anlage mit Pool und lecker Rührei zum Frühstück ein, um die letzten drei balinesischen Nächte dort zu verbringen. Tagsüber wagten wir uns doch dann tatsächlich daran, die mehr oder weniger nahe Umgebung mit dem Roller zu erkunden. Als Fußgänger kommt einem der Verkehr in den balinesischen Städten alptraumhaft vor, sitzt man selbst auf dem Roller, geht’s eigentlich. Die Indonesier scheren sich nämlich herzlich wenig darum, ob man jetzt auf der eigenen oder der Spur des „Nachbarn“ fährt, die fahren einfach und lassen aber auch fahren (was wahrscheinlich das große Geheimnis daran ist, dass es funktioniert). Alles geht relativ gelassen zu, man verständigt sich halt und hat halt verstanden, dass jeder irgendwo hin möchte. Also lässt man ihn eben auch. Wo hingegen das Dasein als Fußgänger eher lebensgefährlich ist: Geht man z.B. Zigaretten kaufen, sieht das Prozedere wie folgt aus: 1 Minute für das Kaufen an sich, 5 Minuten um die Straße zu überqueren. Denn, auch wenn die Ampeln auf Rot stehen für die Fahrzeuge, heißt das noch lange nicht, dass man auch stehen bleiben muss. Die Balinesen sehen das eher so als Empfehlung. Und als Fußgänger sagt man sich „geh ich jetzt, oder nicht, oder doch?“

 

An den letzten beiden Tagen wurden also noch zwei Scooter-Touren hingelegt: Die erste an den Profi-Surfer-Strand Balis auf der südlichen Halbinsel Bukit, absolut beeindruckend mit Unmengen an Klippen, Steilfelsen und Höhlen und die zweite dann zu weiteren Stränden und einen angeblich spirituell unglaublich wichtigen Tempel, der für mich dann doch irgendwie aussah, wie jeder andere auch…

 

Zudem durfte natürlich das Relaxen am Strand, Bummeln durch die Touri-Shopping-Meile und das Gucken der WM-Spiele nicht vergessen werden. Lustigerweise waren wir abends immer verzweifelt auf der Suche nach einem Lokal, in dem Richtung Stimmung ist und sich mehr als drei Leute befinden (in Deutschland sucht man beim Public Viewing (vorausgesetzt, das Wetter spielt mit) ja eigentlich immer eher nach einem Lokal, in dem noch Platz ist…).

 

Und am wirklich letzten Abend wurde Bali natürlich gebührend verabschiedet und ich sagte „Tschüss“ beim Sunset-Watching mit Bintang am Strand, bevor es dann in den Flieger Richtung Australien ging.

 

Terima kasih Bali für die schöne Zeit!

(13. – 22. Juni)

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 12. Juni 2010

„Wenn ich nicht hier bin…

…bin ich aufm Sonnendeck“

 

Und am liebsten auf dem des Tauchboots. Denn das ist – nach dem Tauchgang an sich – das Schönste: Auf dem Sonnendeck des Boots liegen, langsam von der strahlenden Sonne getrocknet zu werden und dabei den Tauchgang nochmals Revue passieren zu lassen, während das Boot langsam und gemächlich wieder zurück zur Tauchschule tuckert.

 

Mittlerweile hat sich bei mir ein tolles „Living on the Island“-Feeling eingestellt und es ist sehr angenehm, dass sich, nach all den vielen Eindrücken die ich in den letzten Wochen gesammelt hatte, die Tage hier auf den Gilis nun so ähneln. Morgens stehe ich meist gegen 8 Uhr auf, watschele zur Terrasse und bestelle mein Frühstück (boiled or scrambled eggs – je nach Lust und Laune (Hauptsache Eier)) und setze mich zu denen, die schon wach sind. In der Zwischenzeit kennen wir alle Gäste, das Personal und die Tauchlehrer, sodass bereits morgens fröhlich gequatscht und getratscht wird. Anschließend wird gecheckt, welcher Tauchplatz am Morgen angesteuert wird und zu 99% bin ich mit dabei. Danach wird das Tauch-Equipment überprüft, das Briefing für den Tauchgang gibt’s dann im Anschluss im Pool. Meistens ist Amil unser Guide, ein permanent fröhlich lachender und singender Indonesier, der seinen Hut und seine Sonnenbrille wirklich immer im letzten Moment, vor dem Sprung ins Meer, ablegt. Das Briefing wiederholt sich täglich, aber es macht Tag für Tag auch wieder Spaß, Amil zuzuhören, wenn es dann losgeht mit „… Okay, for today, maybe we’ll see some, Cuttlefisch, maybe Octopus, maybe Turtle, maybe Sharks“, denn bei Amil hört sich das eher an wie „…maybee we’ll see some Kattelfiiisch, Oktopuuuss, Törrrrteeeel, Schaaaaarks…“.

 

Und dann geht’s auch schon los, alle springen ins Boot und nach ca. 7 – 10 Minuten Fahrt zwischen und um die Gilis herum, sind wir dann auch schon immer am jeweiligen Tauchplatz. Vor vier Tagen habe ich mein Zertifikat gemacht, um auch in einer Tiefe von 30 Metern tauchen zu dürfen. War überhaupt kein Problem, auch wenn ich zuvor nervös war wie vor einer wichtigen Kundenpräsentation und hektisch im Zimmer auf und ab lief, bevor es los ging.

 

Die Tauchplätze hier sind allesamt wunderschön. Bei einigen gibt es in ca. 30 Metern das Meiste zu sehen, bei anderen dann in geringerer Tiefe. Die Vielfalt der Fische und Korallen ist wirklich großartig, auch wenn enorme Fischschwärme eher selten zu sehen sind. Dafür durfte ich meine ersten Turtles sehen – riesige Exemplare, die meist träge in den Korallengärten rumhängen. Einige Male durfte ich aber miterleben, wie sich eine Turtle (meist direkt neben mir, weil ich ihnen permanent hinterher jage, sobald ich sie sehe) dann doch dazu aufraffte, mal eben Luft schnappen zu gehen und elegant gen Oberfläche schwamm um dann wieder nach unten abzutauchen. „Premiere“ waren ebenfalls die Stingrays, die aber – zum Glück – immer in gebührendem Abstand zu einem schwimmen. Nur von den Haien bin ich leider nicht sonderlich verwöhnt: Lediglich vor drei Tagen hatten wir etwas Glück und sahen einen schwangeren White Tip Reef Shark faul auf dem Meeresgrund vor sich hin dösen. Nachdem wir einige „hailose“ Tauchgänge hatten, hatte ich Amil darum gebeten, bei den Haien mal durchzuklingeln, ob sie nicht vielleicht doch Lust hätten, beim nächsten Tauchgang vorbeizukommen – hatte zumindest ein klein wenig geholfen.

 

Ganz verliebt bin ich auch in die Nemo’s. Clownfische sind einfach unglaublich amüsant – schade, dass man unter Wasser nicht laut lachen kann. Hängt man sich nämlich vor die Anemonen, kommen sie direkt herausgeschossen und gucken einen richtig böse an, schwimmen wieder ein kleines Stückchen in die Anemone rein und schießen dann wieder heraus, mit offenem Mund und einem Blick, der zu sagen scheint: „Hey, Du kleiner blöder Taucher Du, was willst ‘n Du vor meiner Haustüre, hä? Verzieh’ Dich gefälligst, sonst zeig’ ich’s Dir!“ Meistens befindet sich auch noch anderes, kleines Getier in den Anemonen, wie zum Beispiel Shrimps oder Krabben.

 

Nach dem Tauchen gibt es dann immer eine Nachbesprechung, wie lange der Tauchgang war, wie tief, welche Fische man gesehen hat usw. Und im Anschluss muss erst mal Essen her! Sport macht bekanntlich hungrig. Die Nachmittage werden dann je nach Lust und Laune mit Rumliegen am Pool oder am Strand, Rumsitzen und Quatschen oder einem weiteren Tauchgang verbracht.

 

Am Donnerstag fielen wir mit unserem Programm dann quasi „völlig aus dem Rahmen“, als wir eine Spritztour auf die Nachbarinsel Gili Meno machten. Morgens ging es mit einem kleinen, völlig überladenen Bötchen rüber auf die Insel, nachmittags mit einem tatsächlich noch mehr beladenem Boot zurück. Schwer zu beschreiben, aber die Indonesier packen die Boote hier wirklich so voll mit Einheimischen und Touristen, dass man, solange das Boot noch nicht losgefahren und festgebunden ist, wirklich Angst haben muss, dass es nicht komplett umkippt, da es sich schon bis zum absoluten Maximum hin und her schaukelt. Aber – wie man sieht – ich hab’s überlebt.

 

Gili Meno ist die ruhigste der drei Inseln und besitzt die angeblich schönsten Strände der Gilis. Nach einer Inselumrundung und ein wenig Abhängen am Strand stellten wir allerdings fest, dass der Strand nun doch nicht so viel anders ist als auf Gili Trawangan – unserer derzeitigen „Heimat“ – und es daher nicht wert ist, nochmal umzusiedeln.

 

Die Abende hier sehen jedes Mal ein klein wenig anders aus: Montag, Mittwoch und Freitag ist immer „Partynight“ auf der Insel, immer in einem anderen Pub, bzw. in einer anderen Strandbar. Diesen Mittwoch war die Party im irischen „Tir Na Nog“ und es wurde bis morgens um die Bar herum und auf der Straße getanzt, dass die Pferdeäpfel auf dem Weg nur so unter den Flip Flops dampften. Und es war einfach nur heiß, heiß, heiß. Ich persönlich blieb allerdings nicht bis zum bitteren Ende, da morgens ja wieder ein Tauchgang anstand. An „partyfreien“ Tagen wird abends auf der Terrasse zusammengesessen und mit den Leuten gequatscht. Selbst, wenn man nur lesend vor dem Bungalow sitzt, kommt man kaum um eine Unterhaltung herum, weil immer jemand „auf einen Ratsch“ vorbei kommt. Nicht zuletzt deshalb habe ich bislang nur 1,5 Bücher geschafft. Macht aber nix. Was sich mittlerweile allerdings zur Gewohnheit (wenn man das nach einer Woche schon so sagen darf) entwickelt hat, ist das allabendliche Bintang zusammen mit den anderen auf der Terrasse (der ereignisreiche Tag muss ja besprochen werden), während die Einheimischen auf dem einzigen Volleyballplatz der Insel, direkt daneben, ihre Matches spielen. Bintang ist so ziemlich das einzige Bier, das es hier auf den Gilis gibt. An Weißwein ist erst gar nicht zu denken. Einige Lokalitäten führen zwar einheimischen, balinesischen Weißwein, trinkbar ist dieser aber eigentlich nicht. Das einzige Resultat ist ein dicker Schädel am nächsten Tag. Aber man gewöhnt sich ja an alles und so bin ich mittlerweile zwar nicht „auf den Geschmack“ gekommen mit Bintang, aber ich empfinde es mittlerweile als trinkbar.

 

Am Freitag dann das Highlight des Tages: Das WM-Eröffnungsspiel. Hier wurde das um 22 Uhr Ortszeit in allen großen Pubs (sprich, in drei Stück) übertragen. Wir ergatterten einen fabelhaften Platz auf der Empore und warteten 1,5 Stunden voller Vorfreude auf den Anstoß. Stickige, heiße und qualmige Luft sowie die doch etwas unbequeme Theke, auf der wir saßen, konnten uns nichts anhaben. Und dann, zwei Minuten vor dem Anpfiff: Bild weg. Klasse. Nachdem es auch fünf Minuten später nicht so aussah, als würde es zurückkehren, suchten wir schnell noch ein anderes Pub auf und konnten dann ganz bequem, umgeben von vielen anderen Reisenden und noch mehr Einheimischen das Spiel anschauen, was insofern ganz witzig war, als dass einige der Einheimischen horrende Summen (2 Mio. Rupien – ca. 150 €, wirklich eine Menge Geld für einen Indonesier) auf Mexiko gewettet hatten und nach dem ersten Tor der Afrikaner ordentlich ins Schwitzen gerieten.

 

Zum Thema Schwitzen: Jeden Tag ist es hier unglaublich heiß und sonnig, man hält es eigentlich nur im Schatten, im Wasser oder eben nach dem Tauchen auf dem Sonnendeck aus. Da es hier auf der Insel nur sehr begrenzt Frischwasser gibt, muss man sich mit Salzwasser zum Duschen begnügen. Nach einer gewissen Zeit, gewöhnt man sich aber auch daran. Langsam aber sicher werde ich auch endlich ein wenig braun, lediglich die geschätzten 7 Millionen Sommersprossen, die sich dummerweise nur auf meiner Nase platziert haben , stören ein wenig.

 

Stromausfälle gehören zum täglichen Inselleben genauso dazu wie die über Megaphon ausgerufenen, muslimischen Gebetsgesänge oder die krähenden Hähne. Im Normalfall zwei mal täglich und immer abends oder nachts. Und dann ist so richtig Nacht auf der Insel und man sieht die Hand vor Augen nicht mehr. Meistens dauern diese Stromausfälle allerdings nur wenige Minuten und sind nicht weiter störend. Außer, man ist just in dem Moment des Stromausfalls mit dem Duschen fertig, so wie ich gestern Abend. Da schaut man dann mitunter etwas blöd aus der nicht vorhandenen Wäsche…

 

Ähnlich wie mit dem Strom verhält es sich auch mit dem WiFi. die letzten drei Tage gab es nun kein Internet mehr – mitunter ein Grund, weshalb ich auch jetzt erst wieder zum bloggen komme. Aber ehrlich gesagt: Who cares?

 

(7. – 12. Juni)

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 6. Juni 2010

Dinge, die man wissen sollte…

… oder auch „Die sind doch alle auf Mushrooms hier!“

Eine kleine Insel-Anekdote…

Überall auf der Insel sieht man vor den Restaurants, neben den mit Glühbirnchen beschienen Menü-Karten-Haltern Aufsteller mit der Aufschrift „Magic Mushrooms sent you to heaven“ oder „we have the best Mushrooms on the island“ und ähnliches… So ziemlich jeder dürfte wissen, was damit gemeint ist. Nur bei mir hat es einen geschlagenen Nachmittag und geschätzte 20 dieser Schilder gebraucht, bis klar wurde, dass die Gilis keine Spezialisten in Sachen „Pilz-Gerichte“ sind, sondern eben Drogen verkaufen – was ich als stockkonservatives Münchner Kindl natürlich absolut unglaublich finde. Und tatsächlich sind die Einheimischen hier und deren „good friends“ from all over the world irgendwie alle auf Mushrooms. Macht aber nix, sorgt höchstens für noch mehr Freundlichkeit und ständiges Gekicher. Hätte man wissen können, muss man aber nicht…

Was man hingegen wirklich wissen sollte ist, welche Fische giftig sind und welche nicht. Nachdem ich beim Tauchen aber ja niemals irgend etwas anfasse sondern nur gucke, ist das halb so wild. Nichts desto trotz durfte ich heute ein paar der giftigsten bekannten Fische sehen, den Lionfish und den Scorpionfish. Denkt man gar nicht, wenn man sie sieht: Der eine sieht aus wie ein Stein mit Schwimmflügel, der andere einfach nur zuckersüß, möchte man sich am liebsten als Plüschtier ausstopfen lassen. Aber, wie das PADI Tauchbuch auch lehrt: Alles, was besonders schön oder besonders hässlich ist, ist meistens giftig oder zumindest aggressiv.

Abgesehen von den Giftträgern sahen wir auf diesem Tauchgang heute aber noch jede Menge anderes Fischiges und wunderschöne, gut erhaltene Korallenriffe, bei glasklarem Wasser mit Badewannen-Temperatur.

Gili Trawangan hat „im Süden“ einen kleinen „Berg“ (laut Reiseführer stolze 72 m hoch), von welchem aus man angeblich einen Wahnsinns-Blick auf den Sonnenuntergang vor Balis größtem Vulkan, dem Agung, hat. Und da man ja nie weiß, wie am nächsten Tag das Wetter werden wird und ich nach all den Schlechtwettertagen auf dieser Reise in der Zwischenzeit leicht misstrauisch geworden bin, wollte ich den Sonnenuntergang heute natürlich unbedingt „mitnehmen“. Also liefen wir Richtung Berg und dann die einzige sich bietende Möglichkeit nach oben. Der Aufstieg bestand aus einer schmalen, den Hang hinauf führende, betonierte Treppe. Die Sonne ging immer weiter unter (wir waren auch nicht gerade früh dran) und ich hechtete die Stufen nach oben, die mich dann doch schwer an die Devil Stairs des neuseeländischen Tongariro National Parks erinnerten. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Den ich dann doch leider verlor. Denn oben angekommen hatte sich die Sonne gerade eben verabschiedet. Und tschüss. Da stand ich nun, völlig außer Atem, die Soße lief mir am ganzen Körper runter und hinter uns saßen grinsende und völlig relaxte Einheimische mit „good friends“ aus Australien oder sonstwo. Denen ging’s gut. Klar, die hatten den Sonnenuntergang ja auch noch erlebt und waren zudem total auf Mushrooms. Bei mir hingegen stellte sich ein altbekanntes Gefühl ein: Wie eine Verblödete zum Hohenzollernplatz hetzen um die U2 zu erwischen, die einem dann trotzdem direkt vor der Nase wegfährt. Das Dumme an der Sache ist nur: Die nächste U2 kommt im Normalfall fünf Minuten später, um den Sonnenuntergang zu erleben muss ich allerdings nochmals überirdische Qualen beim Erklimmen des Berges auf mich nehmen und wer weiß, ob dann auch noch mal das Wetter mitspielt? Aber gut, man muss es ja positiv sehen: Ich war sportlich aktiv und konnte meine zuvor einverleibte Pizza (sicherheitshalber ohne Pilze, man kann ja nie wissen…) „verbrennen“.

Der Rest des Abends wird definitiv mit Relaxen verbracht…

(6. Juni)

 

 

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 6. Juni 2010

Ab in die Sonne…

Es gibt sicherlich schnellere Wege, von Neuseeland nach Bali zu kommen, in unserem Fall aber keinen günstigeren, daher sah unser Trip nach Indonesien wie folgt aus: Nachts kurzer Aufenthalt am Flughafen in Christchurch (mit der tatsächlich besten Senator-Lounge, die ich bis dato gesehen habe), 3 Stunden Flug nach Melbourne, 2 Stunden Aufenthalt, 7 Stunden Flug nach Singapur, 3 Stunden Aufenthalt (spitzenmäßiger Salat in der Lounge), 2 Stunden Flug nach Denpasar. Das Aussteigen aus dem Flieger in Denpasar bot dann allerdings endlich das lang ersehnte Gefühl: Laufen gegen eine Wand. Es war ca. 22 Uhr abends und hatte knappe 30°. Für die ersten fünf Minuten war das nach all den kalten, regnerischen Tagen, die wir am Schluss in Neuseeland erlebt hatten, fantastisch. Dann allerdings schlug sich die Müdigkeit nieder und das Anstehen für Visa und Immigration im stickigen Flughafen war einfach nur noch eine Qual. Mit dem Taxi ließen wir uns dann in ein günstiges Hotel nahe des Hafens fahren, da wir ohnehin am nächsten Morgen weiter wollten. Tja, und was bescherte uns der nächste Morgen? Regen! Aber was für welchen! Sintflutartig lief der Regen von den Dächern runter und setzte die Straßen unter Wasser. Ich dachte eigentlich, wir hätten den Regen in Neuseeland zurück gelassen? Dem war wohl nicht so… Nach einem schnellen Frühstück (natürlich inklusive Rührei) ging es dann auch schon mit dem Shuttle zum „Hafen“: Ein Pier oder irgend etwas in der Art gab es nicht, die Boote lagen einfach direkt am Strand von Sanur im Wasser und man musste beim Einsteigen aufpassen, dass einen nicht im selben Moment eine Welle erwischte und samt Rucksack ins Wasser zurück schmeißt. Mit dem Speedboot ging es dann in einer 30minütigen Fahrt nach Lembongan, einer vor Bali gelagerten Insel. Der Seegang war extrem heftig, meterhohe Wellen sorgten dafür, dass man teilweise das Gefühl hatte, gleich vom Wasser verschlungen zu werden. Einige Male jagte das Boot auf solch hohe Wellen nach oben und fiel dann mehrere Meter laut krachend herunter in das Tal, das sich zwischen den Wellen auftat, dass man dachte, es zerbricht gleich in mindestens zwei oder mehr Stücke. Ich fand’s lustig (im Gegensatz zu einem englischen Passagier, der kurz davor war, sich zu übergeben (was zum Glück nicht passierte, denn vor ihm lagen unsere Rucksäcke)).

Auf Lembongan angekommen (es hatte aufgehört zu regnen – juhuu!) wurden wir mit dem Pickup in unser Resort gefahren. Und auf dieser Fahrt konnte ich erstmals die Schönheit Balis erahnen. Wir fuhren durch einen tropischen Wald über eine holprige Straße, rechts und links am Straßenrand immer wieder kleinere, traditionelle Tempel, mit Opferstellen, von Blumen übersät – einfach nur schön.

Das Resort, Waka Nusa, war ein Resort der „gehobenen Klasse“, zumindest für indonesische Verhältnisse. Umgerechnet ca. 30 € pro Person und Nacht – in Bali ist das eher teuer. Direkt am Strand gelegen, mit Pool und schönem Restaurant waren wir gemeinsam mit einem Pärchen, das wir aus München kennen, und vier weiteren Personen die einzigen Gäste im Resort. Zumindest die einzigen, die dort wohnten. Wir mussten nämlich leider recht schnell feststellen, dass sich die Resortbetreiber in der Nebensaison ein kleines Zusatzeinkommen gönnen: Das Ankarren von Tagestouristen. Denn täglich um 11 Uhr vormittags legte ein Katamaran mit nervenden Tagestouris an unserem Strand an, die Horde verteilte sich über die Liege-/Sandfläche, ging dann schnorcheln oder Banana-Boat fahren, kam dann zum Barbecue wieder zurück und nach weiterem Rumhängen in unserem Resort wurden sie dann gegen halb 4 nachmittags wieder weggeschippert. Nicht wirklich prickelnd, wenn man mal zwei Tage einfach nur in schönem Ambiente relaxen will. Da ab dem zweiten Tag aber so gut wie dauerhaft die Sonne schien, konnte das meine Laune nun auch nicht wirklich verderben und so stand für diese beiden Tage nichts weiter auf dem Programm als Relaxen, Lesen, Schnorcheln, Baden und Essen. Um das an dieser Stelle nicht unerwähnt zu lassen: Das Frühstück war sensationell, die Rühreier perfekt!

Am dritten Tag fuhren wir dann wieder zurück auf die Hauptinsel Bali und ließen uns ins Landesinnere, nach Ubud bringen, einem sehr schönen, balinesischen Ort, von welchem aus man eigentlich sämtliche Trips machen kann, um die Highlights der Insel zu sehen. Das erste Hotel, das wir uns ansahen und bei dem wir nach dem Preis fragten, nahmen wir auch direkt: Ein wunderhübsches, kleines Hotel, nach „hinten raus“ gelegen, mit einem traditionell angelegten, indonesischen Garten (inklusive Teich, Fröschen und Brückchen) und einem großartigen Pool mit Blick in die Reisfelder. Die Zimmer waren in balinesischen, turmartigen Häusern untergebracht, mit eigener, großzügiger Veranda und Blick in den Garten und über die Dächer Ubuds. Inklusive Frühstück pro Person für ca. 10 € pro Nacht – was will man mehr! Nach dem Check-In ging es dann ins Café Wayan, ein in einem tropischen Garten gelegenem Café und Restaurant, ein „Must Do“ in Ubud und anschließend in den Monkey Forest, einem tropischen Urwald mit Unmengen an neugierigen und frechen Makaken. Im Anschluss liefen wir noch durch die Straßen Ubuds (in brütender Hitze, was meine noch neuseeländisch-eingefrorenen Glieder hell begeisterte) und machten für den übernächsten Tag im ältesten Massage-Tempels Balis eine Ganzkörpermassage klar. Und dann waren wir natürlich hungrig und Essen musste her. Das indonesische Restaurant, welches wir wählten, hatte auch tolle Pasta auf der Karte und nach der langen Durststrecke, bzw. Pasta-Abstinenz konnte ich nicht anders und orderte die „Fettuccine alla casa“ – und wurde nicht enttäuscht. Zu meiner – positiven – Überraschung gab es Pasta vom allerfeinsten. Das Highlight war allerdings das Dessert. Nachdem ich mich hier in Bali wohl etwas schwer tun werde mit meinem „Five Dollar Special von Mc Donalds“ (Muffin und Cappuccino), gab es für mich einen Apfelkuchen, der einfach nur gigantisch war. In Ubud hat es eine berühmte Konditorei, die „Honeymoon Bakery“ heißt und die einige Restaurants beliefert. Unter anderem auch das Restaurant, in dem wir an diesem Abend waren. In den Kuchen hätte ich mich reinlegen können und war mehr als selig, als wir anschließend vollgefressen den Heimweg antraten.

Am nächsten Morgen wurden wir sehr früh durch das Gebetssingsang der Schüler der gegenüberliegenden Schule geweckt. Machte aber nix, wir mussten ohnehin los zur „Inseltour“: Wir hatten am Vorabend noch einen Fahrer klar gemacht, der uns an diesem Tag über die Insel kutschieren sollte (die günstigste Möglichkeit, wenn man zu mehr als zwei Personen unterwegs ist – umgerechnet 10 € pro Person), um in einem Tagestrip einige der sehenswertesten Spots Balis zu erleben. Im vollklimatisierten Minibus ließen wir uns zum ersten Highlight, dem „Heiligtum Gunung Kawi“, ein in einer Schlucht gelegener Bestattungstempel. Sehr schön anzuschauen. Dummerweise muss man auf dem Rückweg die gefühlten 100.000 Stufen auch wieder nach oben laufen und schleppt sich dann in der brütenden Hitze, belästigt von Unmengen an Sarong-Verkäuferinnen wieder gen Taxi… Die Klimaanlage im Wagen sorgte allerdings für eine schnelle Abkühlung auf dem Weg zum zweiten Spot, dem Muttertempel in Besakih. Dass man für sämtliche Sehenswürdigkeiten Eintritt zahlen muss, ist ja verständlich. Ärgerlich fanden wir allerdings, dass man in Besakih wirklich abgezockt wird: Der Muttertempel liegt am Fuße eines Vulkanes, man zahlt „unten“ am Parkplatz seinen Eintritt, will man dann das Tempelgelände allerdings besichtigen, zahlt man ein weiteres Mal für den Führer, da die Besichtigung nur mit einheimischen Guide gestattet ist. Trotzdem lohnte sich der Besuch allemal, da der Komplex aus fast 200 alten Bauwerken besteht, alles Tempel der „alten Familienclans“. Weiter ging es dann zu zwei Wassertempeln in Tirtagangga und Ujung und auf dem Rückweg nach Ubud noch an einer Goa vorbei, deren Inneres „leider“ nicht besichtigt werden konnte, da an diesem Tag Zeremonien stattfanden. Das machte aber gar nichts, denn die Zeremonien live mitzuerleben, war viel spannender: Die Hindus kamen in Scharen, herausgeputzt in ihren feinsten Kleidern und Sarongs und brachten jede Menge Opfergaben in Körben, die die Frauen auf dem Kopf trugen, mit. Dann stellten sie sich an den Türen des Tempels an, warteten darauf eingelassen zu werden um die Opfergaben segnen zu lassen und kamen am Hinterausgang des Tempels wieder raus. Aus welchem Anlass diese Zeremonie stattfand, konnten wir leider nicht herausfinden und auch unser Fahrer wusste es nicht. Er meinte nur, es sei eine Zeremonie für den Tempel (da wir allerdings ca. 3 km weiter aus dem Wagen nochmals eine solche Zeremonie sahen, bezweifelte ich, dass es nur für den Tempel war, sondern vielleicht doch etwas mit dem Tag (der übrigens unser Christi-Himmelfahrt-Tag war) zu tun hatte). Allerdings gibt es bei den Hindus so unendlich viele Zeremonien und Rituale das ganze Jahr durch, allein der Reiseführer verbraucht dafür ein ganzes Kapitel…

Am späten Nachmittag lieferte Wayan uns dann wieder am Hotel ab. Auf Bali heißt übrigens jeder vierte Mensch „Wayan“, da die Balinesen im Grunde nur vier Namen haben, nach welchen sie benannt werden, bzw. ihre Kinder benennen: Wayan, Made, Nyoman und Ketut (was soviel heißt wie Erste/r, Zweite/r, Dritte/r, Vierte/r). Mädchen und Jungen werden so benannt und beim möglicherweise fünften Kind fängt man wieder mit Wayan („der/die Zweite/r“) an. Sehr praktisch. Ich wollte ja auch nicht glauben, was da so in den Büchern steht, aber es bewahrheitete sich bislang tatsächlich: Die Balinesen fragen Dich IMMER: Wo kommst Du her? Wo gehst Du hin? und: Bist Du schon verheiratet? Nicht, weil sie indiskret sind – gut, sie sind es dadurch trotzdem, sehen sich selbst aber nicht so – sondern, weil sie dadurch das Gegenüber einzuschätzen versuchen. Überhaupt sind die Balinesen unglaublich freundlich und lächeln wirklich den ganzen Tag – kein Wunder, müssen sie ja auch, alles andere verstößt ja auch gegen die Religion… Soviel dazu.

Nach einer Runde Pool war es dann mal wieder Zeit für’s Essen und einen Nachtisch aus der Honeymoon Bakery im Café Wayan: „Death by Chocolate“ (heißt wirklich so!). Sagt eigentlich schon alles. Danach rollte ich mich gen Hotel zurück…

Am letzten Tag in Ubud machten wir vormittags noch eine kleine Wanderung durch die Reisfelder, kühlten uns dann wieder im Pool ab um anschließend noch ein wenig über den Markt zu schlendern. Handeln funktioniert hier ähnlich wie in Thailand: Man sollte in jedem Fall „ganz weit unten“ beginnen mit seinem Gegenangebot, da die Preise, die einem die Händler nennen, extremst überteuert sind. Ich hatte mir beispielsweise einen Sarong gekauft (braucht man, um die Tempel zu besichtigen), dessen erstes Angebot bei 200.000 Rupien (ca. 18 €) lag, gekauft habe ich ihn dann für 30.000 Rupien (ca. 2,80 €).

Um fünf Uhr nachmittags hatte ich dann meine Massage im ältesten Massage-Salon Ubuds. Hier wurde ich dann eineinhalb Stunden durchgeknetet, inklusive Peeling-/Yoghurt-Kur und anschließendem Blütenbad. War in jedem Fall entspannend, noch entspannender wäre es gewesen, wenn Annie, meine Masseurin, sich nicht so wahnsinnig viel Mühe damit gegeben hätte, die Prellung an meinem linken Bein (der „Gletscher-Unfall“) wegzumassieren. Autsch.

Nach einem letzten tollen Abendessen in Ubud und einer Flasche balinesischen Weißwein auf der Veranda vor dem Hotelzimmer ging es dann am nächsten Morgen mit dem Speedboot auf die Gilis. Die Gilis sind drei kleine Inselchen, die vor der Küste Lomboks liegen. Vor zehn Jahren galten sie noch als Geheimtipp, mittlerweile hat auch sie der Tourismus fest in der Hand. Allerdings hält sich das derzeit noch in Grenzen, in weiteren zehn Jahren braucht man wahrscheinlich nicht mehr hin. Ursprünglich wollten wir uns für ein paar Tage eine kleine Strandhütte nehmen und Tauchen gehen. Allerdings gibt es hier überhaupt keine Hütten, die direkt am Strand sind, alle Bungalows liegen nach hinten versetzt, sodass direkt am Strand meist das Restaurant ist, dann kommt die „Straße“ und dann erst die Bungalow-Anlagen, was mir persönlich nicht sonderlich gefällt. Unsere Anlage ist aber absolut in Ordnung, sehr sauber, mit großen Zimmern und eigener Mini-Lounge vor der Türe und kostet durch das „Zimmer-&-Tauchen-Package“ auch nur 250.000 Rupien (etwas mehr als 20 €). Nach der Ankunft musste ich erst mal ein kleines Nickerchen abhalten, bevor dann die Umgebung erkundet und der erste Tauchtrip klar gemacht wurde. Abends konnte man dann unter dem Sternenhimmel am Strand Essen, das hatte dann natürlich auch wieder was für sich.

Am nächsten Morgen wurde dann gleich – ganz sportlich – die Insel einmal umrundet. Das bedeutete zwei Stunden Spaziergang. Unglaublich viel zu sehen gibt es auf Gili Trawangan jetzt nicht, dafür ist wirklich alles – außer der Ostküste mit den Bungalow-/Hotelanlagen – sehr ruhig und naturbelassen. Es gibt auch keine motorisierten Fahrzeuge, sodass das die einzigen Fortbewegungsmittel das Fahrrad oder die Ponykutsche sind. Mal sehen, was es sonst noch so auf den Gilis zu entdecken gibt…

(30. Mai – 6. Juni)

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 28. Mai 2010

Ab in den Süden…

Die restlichen Tage in Wellington vergingen wie im Flug. Schlechtes Regenwetter am Freitag sorgte für einen langen Tag im öffentlichen Museum „Te Papa“, in dem man sich ausreichend über Kultur und Hintergründe Neuseelands informieren konnte. Und das komplett kostenfrei – auch mal nicht schlecht. Eines der Highlights für die Kiwis in ihrem National-Museum: Ein über vier Meter langer Tintenfisch, der vor zwei Jahren zufällig gefischt wurde, anschließend ordentlich präperiert und in Flüssigkeit eingelegt, sodass man ihn nun in seinem Bottich angucken kann. Wer’s mag… Freitagabend wurde dann im heimischen Appartment in Wellington lecker Pizza gebacken, bevor es dann auf die Piste ging und wir das Ausgeh-Viertel der City entdeckten, das tatsächlich gar nicht so übel war. Eine Bar nach der anderen… Nach vier Bars und etwas mehr alkohloischen Getränken machten wir dann aber Schluss, was eine gute Entscheidung war, da ich um 10 Uhr morgens bereits wieder aus dem Bett geschmissen wurde: Sigthseeing stand auf dem Programm und bei dem herrlich sonnigen Wetter in Wellington konnten wir die Stadt nochmal in vollen Zügen genießen. Nach einem Abstecher mit dem „Cable Car“ und dem Rückweg in die City durch den botanischen Garten legten wir einen gemütlichen DVD-Abend ein.

Am nächsten Tag ging es bereits wieder früh raus: Um 7 Uhr waren wir auf der Fähre und verließen Wellington Richtung Südinsel, Picton. Dort angekommen ging es als allererstes in einen Coffee-Shop mit Wifi, da ich natürlich unbedingt wissen musste, welchen Ausgang das CL-Finale genommen hatte… Gut, darüber verliere ich jetzt an dieser Stelle keine weiteren Worte. Wir machten uns dann weiter auf Richtung Marlborough Sounds – Fjorde wie in Island (wie ich mir habe sagen lassen) – und wanderten dort ein wenig herum, bevor wir uns in Nelson eine Unterkunft suchten. Fanden wir auch. Ein wirklich nettes Backpacker in einem alten, abgewohnten Haus im viktorianischem Stil. Wie in fast jeder neuseeländischen Stadt, die ich bisher gesehen habe, wurden allerdings auch in Nelson um 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt. Also ging es mit vollem Magen nach einem grandiosen 15$-Special-2-Courses-Dinner (die konnten tatsächlich richtig gute Pasta) wieder ins Backpacker. Der nächste Morgen bescherte leider mal wieder nur Regen, sodass wir den Vormittag „in der Stadt“ verbrachten und bei einem deutschen Wurstladen ordentlich zuschlugen. Was die in Neuseeland hier nämlich gar nicht können ist Wurst. Aber mit so einem „German Wurstladen“ mit deutscher Bedienung, Weißwürsten, Landjäger, Schinken & Debrecziner kann man sich weiterhelfen. Da es gegen Mittag den Anschein machte, dass der schwere Sturm, der ursprünglich vorhergesagt war, sich wohl nun doch ein anderes Plätzchen zum Austoben gesucht hatte, wagten wir dann doch noch die Fahrt in den Abel Tasman National Park. Leider gute zehn Minuten zu spät: Als wir ankamen, war das letzte Wassertaxi für diesen Tag schon weg. Der Abel Tasman National Park ist eine Mischung aus Südsee und Alpen: goldfarbene Sandstrände, mit Bäumen dicht besiedelte Felsen und klares Wasser. Am Besten zu erkunden mit einem Wassertaxi. Da wir aber diesbezüglich Pech hatten, „mussten“ wir laufen, was zwar natürlich trotzdem sehr schön war, leider aber nur im Ansatz erahnen ließ, wie schön wohl noch die weiteren Abschnitte und Buchten des Parks sein müssen.

Die Nacht verbrachten wir nochmal im Backpacker und zogen am nächsten Morgen weiter Richtung Westküste. In Westport dann der erste Abstecher zum Cape Foulwind und dort dann an die Taurango Bay, an der es angeblich eine Robben-Kolonie haben sollte. Also, losmarschiert und um die Felsen herum und da waren sie: Ganz viele große und kleine und mächtig viele dicke und faule Robben. Endlich hatte ich „meine“ Robben gesehen. Da waren der Regen und das miese Wetter (hatte ich schon erwähnt, dass es auch an diesem Tag regnete?) vergessen und nachdem sämtliche sichtbaren Robben analytisch studiert und begafft waren, trabte ich glückselig zu unserem Camper zurück.

Hoch motiviert (jetzt hatte es doch plötzlich aufgehört zu regnen!) ging es weiter an der absolut unglaublichen Westküste der Südinsel: Eine tolle Bucht nach der anderen, atemberaubende Klippen und Felsen im Wasser, mächtige Wellen und wunderschöne Aussichten. In Punakaiki wartete dann das nächste Spektakel auf uns: Die Pancake-Rocks – Kalksteinwände, die durch die Witterung der Jahrtausende zu geschichteten Felsformationen ausgewaschen wurden und eben aussehen wie haufenweise übereinander gelegte Pfannkuchen. Nicht lecker, aber beeindruckend! Da wir wirklich auf den letzten Drücker kamen, kurz, bevor die Sonne unterging, konnten wir zwar noch ein paar „romantische Bilder“ von den Pancakes schießen, sahen aber nicht mehr genug, um alles in Ruhe dort anzusehen und beschlossen, tagsüber nochmals wiederzukommen… Für die Nacht wurde dann wieder ein Campingplatz angesteuert und nachdem der „Stellplatz klar gemacht war“ ging es nochmals in die völlig ausgestorbene City von Greymouth. Man stelle sich vor: Eine sehr, sehr breite Straße, rechts und links flache Gebäude die aussehen wie aus einer Westernstadt (kommt auch übrigens nicht von ungefähr, Greymouth war mal eine „Goldgräberstadt“), eine einzelne Straßenlaterne versucht, ein wenig Licht in die ansonsten völlige Dunkelheit zu bringen und Nebelschwaden (ist ja Herbst hier, ne) kriechen am Asphalt entlang. So ungefähr. Allerdings fanden wir doch dann tatsächlich noch ein sehr nettes Lokal, eine alte Brauerei, die sehr schön neu hergerichtet war ohne von ihrem ursprünglichen Charme zu viel zu verlieren, und da saßen sie dann alle die drin, die Einheimischen. Wie wenn man einen Stein hochhebt und drunter tummeln sich die Asseln. Also genehmigten wir uns dort noch einen Drink, bevor es zurück in den Camper und in eine weitere, sehr, sehr kalte Nacht ging…

Der nächste Tag brachte doch erstaunlicherweise von Anfang an Sonnenschein und so packten wir schnell unsere sieben Sachen zusammen und düsten noch mal an der Westküste entlang um die Pancakes dann in ihrem vollen Glanz (also einfach im Hellen halt) anzuschauen. Hatte sich auch wirklich gelohnt! Ein Stückchen weiter nördlich hielten wir dann bei einem Lookout an der Westküste an und genossen im Sonnenschein vor unserem Camper ein tolles „Frühstück mit Aussicht“ (inklusive Deluxe-Rührei mit Tomaten und Käse) bevor wir dann noch einen kleinen Ausflug zum Stand runter über den „Truman Track“ machten. 15 Laufminuten durch den Urwald und man steht in einer wildromantischen Bucht. Da sich allerdings eine Sandflie-Kolonie genau das selbe Plätzchen Erde ausgesucht und uns als Frühstück auserkoren hatte, traten wir dann auch recht schnell wieder den Rückzug an. Leider nicht früh genug, ein paar Stiche hatten wir dennoch abbekommen. Mistviecher. Bei grandiosem Wetter cruisten wir die Westküste entlang bis nach Hokatika. In Greymouth legten wir nochmals einen kurzen Stop ein, um uns eine Jade-Galerie anzusehen. Ich hatte eigentlich gehofft, ein paar Andenken dort besorgen zu können, allerdings waren sämtliche Schmuckstücke wirklich schw***teuer, sodass wir es beim Gucken beließen und weiterfuhren.

Hokatika ist die angeblich attraktivste Stadt der Westküste. Hat man sie nicht gesehen, hat man allerdings auch nicht viel verpasst. Von uns bekam Hokatika einen kurzen City-Walk und ein Begutachten des Strandes ab – das war dann auch ausreichend. Im Anschluss wollten wir uns noch Shantytown ansehen, eine nachgebaute Goldgräberstadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem kleinen Haus vorbei, dessen Schild uns verriet, dass dort eine Jade-Werkstatt sein musste. Der extrem attraktive Kiwi, der mit seinem Kaffee auf der Veranda saß und uns zuwinkte, machte einen solch symphatischen Eindruck, dass wir drehten und der Jade-Werkstatt einen Besuch abstatteten. Wir wurden sofort von Garth (dem extrem attraktiven Kiwi, verheiratet, 2 Kinder) in die Kunst der Jade-Schmuck-Erstellung eingeführt und natüüüürlich gingen wir dann auch nicht ohne Jade-Kette raus.

Shantytown war dann innerhalb von 2 Sekunden abgehakt: 27$ für eine nachgebaute Goldgräberstadt in der NIX los ist, müssen dann doch nicht sein.

Also machten wir den restlichen Tag noch ordentlich Kilometer und fuhren runter bis Franz Josef um dort am nächsten Tag die „Full Day Franz Josef Glacier Tour“ mitzumachen. In drei Gruppen ging es morgens in voller Montur (inklusive Spikes) auf diesen gewaltigen Gletscher. Nach einem kurzen, heftigen Aufstieg (der mich ein wenig an die Devils Stairs aus dem Tongariro National Park erinnerte) waren wir dann mitten auf und in dem Gletscher. Eine absolut einmalige Erfahrung! Wir wanderten durch Gletscherspalten und Höhlen und erlebten die faszinierende Schönheit des „blauen Eis“. Durch den sehr starken Wind war es zwar ordentlich kalt, aber beim Laufen über die Eisflächen, bei dem man dann doch aufpassen musste, nicht in eine Gletscherspalte zu segeln, wurde einem dann doch gut warm.

Mein Vordermann verlor bei einer „Gletscherspalten-Durchwanderung“ leider mal sein Gleichgewicht und segelte ordentlich auf mich drauf. Durch den Versuch, sich abzustützen bekam ich – bzw. vielmehr mein linkes Schienbein – dann leider seine Spikes ab. Die Folge war, dass ich jetzt unterhalb des linken Knies ein kleines Loch und eine Prellung habe, die mutmaßen lässt, dass mir dort ein drittes Bein wächst. Natürlich wanderte ich trotzdem brav weiter – bin ja kein Mädchen! ;-)

Nach 10 Stunden „an der frischen Luft“ war der Spaß dann vorbei und während sich der Rest der Truppe in die Hot Pools stürzte, mussten wir wieder in den Camper springen um abends noch die Westküste wieder Richtung Norden zu fahren, um schon mal einen Teil des Weges nach Christchurch – unserem finalen Ziel hier in Neuseeland – zurückzulegen.

Da waren wir dann also wieder in Greymouth – der Geisterstadt. Nachdem der Herbst auf der Südinsel mittlerweile in einen Winter übergangen war und wir wenig Lust hatten, uns nachts im Camper möglicherweise lebensnotwendige Körperteile abzufrieren, suchten wir uns ein Backpacker – fanden wir auch. „Noah’s Arke“, ein kleines, symphatisches Backpacker in einem alten, viktorianischem Haus – wieder mal. Da dieses Backpacker aber einen Haushund – einen Golden Retriever namens Bez – hatte, hatte es bei mir sowieso gleich gewonnen. Und nachdem Bez von mir ordentlich durchgeknuddelt wurde, wich er mir auch nur noch schwer von der Seite und legte sich dann sogar vor die Zimmertür und hielt Wache.

Leider musste ich Bez schon am nächsten Morgen wieder verlassen, wir nahmen den Lewi’s Pass Richtung Christchurch, ein kleiner Umweg, da der näher gelegene Arthur’s Pass Schneeketten erfordert hätte (!!!), die wir logischerweise nicht mit dabei hatten. Aber auch auf dem Lewi’s Pass hatte es ordentlich geschneit und so war es eine Fahrt durch’s neuseeländische Winter-Wonderland. Hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber war nun auch nicht zu ändern.

In Christchurch selbst war das Wetter aber auch nicht unbedingt so viel besser – eiskalt und extrem stürmisch. Die letzten beiden Nächte hier in Neuseeland hätten wir eigentlich wieder bei einem „Couchsurfer“ verbringen wollen, entschieden uns dann aber spontan doch für ein zentraler gelegenes Backpacker. Dann mussten wir Abschied nehmen von unserem kleinen Hippie-Camper und ihn wieder zurück zum Mutterschiff, Apollo, bringen.

Zurück im Backpacker bereiten wir uns nun auf unseren letzten Tag bei den Kiwis vor, bevor es dann ab in die Sonne nach Bali geht…

(21. – 28. Mai)

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 20. Mai 2010

Schlammlöcher und Vulkane – Teil 1

Nach einer kleinen sonntäglichen Runde Sightseeing in Rotorua (inklusive Begutachten des Maori-Village und jeder Menge heißer und brodelnder Quellen, die in den Gärten der Privat-Grundstücke mal eben so aus dem Boden schießen) machten wir uns dann auf den Weg zur eigentlichen Attraktion in diesem Gebiet der „Thermal Activities“: Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland. Dort gab’s jede Menge, na, was wohl? – genau, thermische Aktivitäten zu bestaunen. Im Klartext: Haufenweise stinkende, schwefelnde und oxidierende Wasser- und Schlammlöcher, die so passende Namen wie „Des Teufels Tintenfass“ oder „Teufelskrater“ trugen. Abgesehen von dem recht ekligen Gestank nach faulen Eiern waren diese blubbernden, wabernden und köchelnden Löcher, Seen und Pfützen wirklich absolut sehenswert.

Einen kleinen Abstecher bildete anschließend der Sprung in einen „Hot Pool“, eine „heiße Pfütze“ im Wald, bei der man sich in badewannenwohligen Temperaturen erholen und relaxen konnte. Die „Mud Pools“ waren dann wieder nur etwas für’s Auge: Ein riesiges, blubberndes Schlammloch, das aussah wie ein überdimensionaler Hexenkessel.

Gecampt wurde dann kurz vor Taupo an einem „öffentlichen/freien“ Campingplatz – ohne Strom. Da unser Heizlüfter aber ohnehin versagt hatte – Strom hin oder her – wurde es eine sehr, sehr kalte Nacht – brrr. Ist halt einfach Herbst hier in Neuseeland.

Am nächsten Morgen wurden dann die Huka Falls in Augenschein genommen, beeindruckende und gewaltige Wasserfälle nahe des Lake Taupo.

 

Natürlich gab’s auch hier nochmal einen „Hot Pool“ – diesmal eine etwas versteckte und sehr idyllisch gelegne „Natur-Badewanne“ inklusive kleinem Wasserfall. Bevor es weiter Richtung Süden ging wurde direkt am sonnenbeschienenen Lake Taupo der campereigene Gaskocher nochmals angeworfen um ein großartiges Mittagessen (Pasta mit Tomatensauce…) zu zaubern. Wir hatten schließlich auch einen guten Grund, uns nochmals ordentlich zu stärken, denn wir wollten im Anschluss „echte Kiwis“ werden. und das geht lt. Brian (Herbergsvater nahe Hamilton…) so: Man fahre auf der Westküste des Lake Taupo gen Süden, halte ca. in der Mitte, kurz vor Motutere und springe von dort von den Klippen in den See (der im übrigen zu dieser Jahreszeit so um die 12° Grad). Anschließend sei man ein echter Kiwi. ;-) Die Klippen waren aber in der Realität eher leicht enttäuschend und das Wasser im See vor allem so niedrig wie nie, sodass wir es für die bessere Idee hielten „langweilige Deutsche“ zu bleiben, anstatt Kiwis mit gebrochenen Beinen.

 
 

 

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 20. Mai 2010

Schlammlöcher und Vulkane – Teil 2

Also ging es weiter nach Turangi, unserer Bleibe für die nächste Nacht bei Johanna, einer Holländerin, die vor 35 Jahren nach Neuseeland ausgewandert war. Dort gab’s dann in uriger, gemütlicher Stimmung bei prasselndem Kaminfeuer und mal wieder umgeben von Hunden und Katzen noch eine leckere Kürbissuppe mit anschließendem Dessert: Hoky Poky – ein Eis mit irgendwas komischen, aber lecker schmeckenden innen drin. Muss man ja alles mal gegessen haben (seit dem Lamm schockt mich ohnehin nichts mehr). Ins Bett ging’s dann relativ früh, denn wir hatten für den nächsten Tag eine Mission: Tangariro Crossing. Dem geneigten Neuseeland-Kenner mag das jetzt etwas sagen, allen anderen sei gesagt: Ein „Must-Do“, aber bitte bloß nicht jede Woche! Der Tangariro National Park ist ein absolutes Highlight Neuseelands und beeindruckt durch seine Vulkane und die zugehörige Lava-Landschaft. Hier wurden auch viele Szenen der „Herr der Ringe“-Trilogie gedreht. Der Zeitplan für diesen Tag sah für uns dann wie folgt aus: 6 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr Abfahrt und um 7.30 Uhr standen wir abmarschbereit auf dem Parkplatz. Die Landschaft war absolut beeindruckend: Überall Lavagestein und vor uns der riesige, mit schwarzer Asche und rotem Gestein überzogene Vulkan. Kurze Zeit später konnte ich den Ausblick allerdings nur noch bedingt genießen und musste eher darauf achten, wohin ich trat: Die „Devil’s Stairs“ machten ihrem Namen alle Ehre und mir ordentlich zu schaffen. Drei Stunden später und gut fertig waren wir dann am Krater und den Seen angekommen und wurden mit einem grandiosen Ausbilck für die Mühen und Plagen entschädigt. Runter ging’s dann erstmal leichter, bis irgendwann der Regen einsetzte und sich die letzten Meter (bzw. die letzten zwei Stunden) etwas langwierig gestalteten. Nichtsdestotrotz eine absolut lohnenswerte Tour.

Auf dem weiteren Weg Richtung Süden hatten wir uns dann nach all den Strapazen eine ordentliche Stärkung verdient und holten uns – im angeblich besten Döner-Laden Neuseelands – einen heißen Döner in Bulls, bevor es nach Palmerston North weiterging, wo wir unser Nachtlager wieder auf einem Campingplatz (diesmal mit Strom und neu erworbernem Heizlüfter) aufschlugen.

Das böse Erwachen kam am nächsten Morgen: Der Muskelkater meines Lebens. Autsch. Jeder Schritt war eine Qual, jede Treppenstufe die Hölle. Da wird einem dann leider doch recht offensichtlich bewusst, dass die Kondition quasi nicht mehr vorhanden ist – und das nicht erst seit gestern. Da das Wetter aber ohnehin nicht gerade dazu animierte, eine weitere Wandertour einzulegen (es regnete mal wieder) beschlossen wir, über mehrere kleine Stops an diesem Tag bereits nach Wellington weiterzufahren. Ursprünglich hätten wir nur zwei oder drei Nächte in Wellington verbringen wollen, nun waren es also vier, worüber ich auch nicht gerade unglücklich war, da wir ja nun seit knapp zwei Wochen nonstop jede Nacht woanders verbracht hatten und eine etwas dauerhaftere Bleibe ja auch mal ganz nett ist.

So ging es dann über meherere kleine Orte an der Westküste, bei der wir unter anderem die älteste Kirche Neuseelands im Stil der Maori oder auch nochmal recht nette Küstenabschnitte sahen, nach Wellington. Und bei so viel Natur in all den Tagen war es dann auch mal wieder Zeit für Kultur der anderen Art: Abends war Kino angesagt. Ironman 2. Naja… Dazu werde ich mich jetzt nicht weiter äußern, für mein Englisch war es auf alle Fälle nicht verkehrt und aufgrund der nicht vorhandenen tiefgründigen Dialoge perfekt um alles zu verstehen.

Am nächsten Morgen dann endlich mal wieder in aller Ruhe Ausschlafen! Bis 9 Uhr! Herrlich! Und noch viel besser: Rührei mit allem drum und dran und richtig leckeren Cappuccino. Danach war ich startklar für die Erkundungstour durch die Stadt. Wellington ist die Hauptstadt Neuseelands, wesentlich kleiner und auch nicht so kosmopolitisch wie Auckland aber durchaus sehr reizvoll. Hügelig angelegt wie San Francisco mit einem großen Hafen, einem modernen Geschäftsviertel mit vielen Hochhäusern und vielen Straßenzügen mit netten, kleinen, an Hängen gelegenen Holzhäusern. Auf dem Mount Victoria, von dessen Aussichtsplattform man einen tollen Blick auf die Stadt hat, wurden viele „Herr der Ringe“-Szenen gedreht (so wie eigentlich überall…).

Nach ein bisschen Bummeln durch die City ging es dann auch zurück in unsere momentane Bleibe um ein wenig zu relaxen und endlich mal wieder so richtig Wäsche zu waschen.

(16. – 20. Mai)

 

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 15. Mai 2010

Impressions… New Zealand Northland & Central

Impressionen Neuseeland Northland und Zentral-Nordinsel

Verfasst von: 70tageweitweitweg | 15. Mai 2010

Bäume, Höhlen, Kiwis

Der Waipoua Forest war in der Tat absolut sehenswert. Auf dem Weg von Opononi nach Dargaville führte die Straße plötzlich durch einen subtropischen Regenwald. Hier hatte man dann die Möglichkeit, durch den Wald zu spazieren um sich die riesigen, uralten Kauri-Bäume inmitten des Dschungels anzuschauen. Der älteste Baum hier ist ca. 1500 Jahre alt, mächtig hoch (wie hoch, weiß ich leider gerade nicht mehr) und hat einen Umfang von 14 Metern – also mal richtig dick. Nachdem wir an diesem Tag auch endlich wieder Sonne pur genießen konnten, war der Dschungel-Walk umso schöner und entspannter.

Nach dieser Urwald-Expedition fuhren wir zurück zu Chris, unserer Schlafgelegenheit der letzten Nacht, packten zusammen und machten uns auf den Weg gen Süden. Tatsächlich kamen wir auf unserer Fahrt dann durch Zufall beim sogenannten „Maunganui Bluff“ vorbei, einem Strand, von dem uns der Jogger in Whangarei erzählt hatte. Angeblich ein Geheimtipp: Spitzenstrand mit Robben und keine Touris (nicht, dass wir nicht selber welche sind, aber man sieht sich ja selbst immer viel mehr independent ;-)). Die Robben hatten sich an diesem Tag zwar leider ein anderes Plätzchen zum Sonnen gesucht, aber der Strand war tatsächlich spitze. Menschenleer, unglaublich lang und weitläuftig, man konnte bis zum Horizont kein Ende sehen. Ein wirklich lohnenswerter Abstecher.

Für uns ging es dann weiter, bis wir ca. 1 Stunde nördlich von Auckland zu einem weiteren „Geheimtipp“ fuhren um dort zu nächtigen: Sandspit, eine kleine, schnuckelige Bay. Davon gesehen hatten wir an diesem Abend nicht mehr viel, da es bereits dunkel war, als wir ankamen. Wir suchten uns einen kleinen, sympathischen Campingplatz direkt an der Bucht und schlugen das Lager auf. Am nächsten Morgen konnten wir bei strahlendem Sonnenschein schön idyllisch, umgeben von bettelnden und gackernden Enten, vor dem Camper sitzend frühstücken. Herrlich! Ich liebe Camping-Frühstück!

Nach einer kleinen Sandspit- und Aigles-Bay-Entdeckungstour ging es dann nochmal nach Auckland für ein wenig Sightseeing, Bummeln und Burger essen bei Denny’s.

Lustigerweise mögen scheinbar alle Neuseeländer, die nicht in Auckland wohnen, diese Stadt überhaupt nicht – ich fand sie absolut sehenswert und interessant. Einzig die Unmengen an Asiaten, die in Auckland leben, geben der Stadt einen etwas „seltsamen Touch“. Aber wir genossen die City im Sonnenschein noch ein letztes Mal in vollen Zügen, bevor es nach Hamilton ging.

Für die Nacht hatten wir wieder eine Couchsurfer-Unterkunft, diesmal bei Jonathan, laut Profil ein junger Student, der in einer WG wohnt – hatten wir zumindest so verstanden. Die perfekte Wegbeschreibung von Jonathan führte uns dann in ein absolutes Nobel-Viertel am Stadtrand von Hamilton. Wir dachten schon, wir hätten uns verfahren, aber nein, tatsächlich sollten wir die kleine Straße bis zum Ende und zu dem Haus namens „River Oaks“ fahren. Tja, da standen wir nun mit unserem Hippie-Camper, einer Ladung Bier und Chips für Jonathan mit im Gepäck und starrten auf das schmiedeeiserne, elektrische Tor, das sich dann für uns öffnete um den Blick auf die ca. 200 Meter lange Auffahrt zum Anwesen freizugeben. Am hauseigenen round-about angekommen, kam uns Jonathan schon entgegen: Wir hatten da wohl etwas nicht ganz richtig interpretiert, Jonathan war zwar Student, bot aber Schlafgelegenheiten im elterlichen Anwesen an, das neben einem Fuhrpark von sechs Autos über einen hauseigenen Pool, Tennisplatz, Weideflächen und gefühlten 35 Schlafzimmern verfügte. Gekocht wurde bereits auch schon und so saßen wir dann tatsächlich beim Dinner mit Jonathan und seiner gesamten Familie zusammen. Wie sich herausstellte – zum Glück erst nach dem Essen – war das Fleisch, das ich gegessen hatte, Lamm. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich nun wirklich Lamm gegessen hatte. War lecker, muss ich leider zugeben. Eines von Neuseelands wichtigsten Export-Produkten. Den Abend verbrachten wir dann mit Jonathan und seinem Vater Brian (ein Anwalt, aber ein sehr netter), die uns dann stundenlang Tipps gaben, was es alles zu sehen gebe ohne „Disneyland“ zu machen, sprich, die ganzen offiziellen Touristenattraktionen. Das ist das wirklich tolle am Couchsurfing: Man lernt haufenweise „Kiwis“ kennen, die einem gerne „Geheimtipps“ geben und man erfährt viel mehr Hintergründe zu Land und Leute. Wirklich spannend!

Nach der Nacht im 5*-Deluxe-Gästezimmer und einem Frühstück mit Brian fuhren wir dann – leider – los und Richtung Waitomo Caves. Natürlich wollten wir hier nicht das „schnöde Touri-Programm“ machen, sondern gleich die „Abenteuer-Nummer“ und buchten einen spontanen Adventure-Trip bei dem uns empfohlenen Anbieter. Die Waitomo Caves sind uralte Höhlen, durch welche das Wasser des Valley’s fließt. Es gibt jede Menge Stalaktiten aber die Hauptattraktion sind die „Glowworms“ – Glühwürmchen. Allerdings sind das nicht die gleichen Tiere, wie unsere „heimischen Glühwürmchen“, sondern tatsächliche Würmer, die in den Höhlen zu hunderten und tausenden an den Decken „kleben“ und als kleine Punkte leuchten. Im Dunkeln sieht das dann aus, als würde man sich in einem Planetarium befinden – total faszinierend. Abgesehen von den Glühwürmchen war für uns dann noch Abseilen, Rafting und Climbing angesagt und danach war mir eisig kalt (Wassertemperatur ca. 14° und es hatte dann auch noch angefangen zu regnen). Nach einer heißen Dusche und einer Tomatensuppe hatte ich mich soweit allerdings wieder erholt und wir fuhren weiter nach Rotorua. Dort fanden wir dann auch schnell einen wirklich netten Campingplatz und genossen dann erstmal noch eine Runde im „heimischen Thermal-Pool“, bevor es nun gleich noch in die City geht, um ein Internet-Café aufzusuchen…

(13. – 15. Mai)

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